Sport : Christian Wörns

Wie der Dortmunder das Spiel in Bielefeld erlebte

Felix Meininghaus

Das erste Spiel nach seinem Rausschmiss aus der Nationalmannschaft begann für Christian Wörns wie alle, seit er bei Borussia Dortmund Kapitän ist: mit der Seitenwahl. Der Abwehrmann ließ sich nichts anmerken von den Vorkommnissen der letzten Tage. Und auch sonst war in der Bielefelder Schüco-Arena alles wie gehabt. Nach wenigen Spielminuten klärte der Manndecker gewohnt kompromisslos gegen Isaac Boakye, wenig später bekam Bielefelds zweite Spitze, Sibusiso Zuma, die raue Gangart des Christian Wörns zu spüren.

Permanent angefeuert von den Anhängern des BVB lieferte Wörns in der ersten Halbzeit einen beeindruckenden Arbeitsnachweis: kein verlorener Zweikampf, ein Fehlpass und nur zwei Rückpässe zu Torwart Weidenfeller. Er blieb absolut fair: Die einzige Gelbe Karte handelte sich im ersten Durchgang sein Kollege Markus Brzenska ein. Als sich die gesamte Dortmunder Mannschaft kurz vor dem Halbzeitpfiff auskontern ließ und die Arminia in Führung ging, war jedoch auch der Routinier Wörns nicht schnell genug hinten.

Der 33-Jährige zeigte in Bielefeld exakt das, was ihn auszeichnet, blieb jedoch auch schuldig, was er im Herbst einer langen Karriere kaum mehr lernen wird: Die virtuose Spieleröffnung und der tödliche Pass sind nicht sein Ding. Als Wörns nach einer halben Stunde erstmals durch das Mittelfeld marschierte, misslang das Zuspiel auf Stürmer Ebi Smolarek. Dafür klärte Wörns kurz nach dem Seitenwechsel mit höchstem Einsatz gegen Zuma und setzte sich kurz darauf auch in der Luft durch. Der 66-malige Nationalspieler ragte aus einer weitgehend schwachen Dortmunder Elf heraus, weil er, wie so oft, die besten Zweikampfwerte aufwies.

Jürgen Klinsmann ist davon überzeugt, Wörns Spiel sei antiquiert und passe nicht in seine Philosophie der Vorwärts-Verteidigung. Die 90 Minuten von Bielefeld belegen jedoch zweifelsfrei, dass ein starker Manndecker aus der alten Mannheimer Schule auch seine Vorzüge hat gegenüber all den jungen Defensivspielern moderner Prägung, die oft ihr Dasein aufgrund fehlender Form auf der Bank fristen. In Bielefeld hat Wörns bis zum Abpfiff mit großem Kämpferherz den Rasen beackert und beim Dortmunder Sturmlauf in der zweiten Hälfte versucht, das Spiel zu drehen. So war er in der 76. Minute nach einem Freistoß von Buckley mit dem Kopf zur Stelle, doch Bielefelds Torwart Hain verhinderte den Ausgleich.

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