Sport : Cottbus - Bayern: Der Blick fürs Wesentliche

Karsten Doneck

Der Empfang war gelb und fruchtig. Und im höchsten Maße unfreundlich. Als Oliver Kahn, Deutschlands Torwart Nummer eins, sich 80 Minuten vor Beginn warm lief, flogen ihm aus der Stehplatzkurze vier Bananen um die Ohren. Nur mühsam wich er den zweckentfremdeten Früchten aus. Später musste Willy Sagnol vor der Ausführung des insgesamt zwölften Eckstoßes für seine Mannschaft erst einmal den Bereich an der Eckfahne von Klopapierrollen säubern, die Fans auf den Platz geworfen hatten. Zwischen Bananen und Klopapier wahrte der FC Bayern München im Cottbuser Stadion der Freundschaft jedoch den Blick fürs Wesentliche: Mit einem nie gefährdeten 3:0 (2:0)-Sieg beim FC Energie Cottbus tilgte die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld jene Schmach, die ihr am 14. Oktober vergangenen Jahres mit der 0:1-Niederlage an gleicher Stelle zugefügt worden war. "Wir waren etwas in unserem Stolz verletzt, auch deswegen, wie wir in Cottbus seinerzeit empfangen worden sind - das zusammen hat uns motiviert", sagte Hitzfeld.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Es gibt Fußballspiele, die könnten getrost schon nach 2:55 Minuten abgepfiffen werden. Weil dann manchmal schon alles entschieden ist, der Rest dann eher leidenschaftslos als Pflicht heruntergespult wird. Wie bei Cottbus gegen Bayern. Die ersten beiden Tore der Bayern wurden schon gar nicht mehr, wie sonst üblich, nach Minuten, sondern nach Sekunden berechnet. 1:0 stand es nach 81 Sekunden, als Zickler einen Freistoß von Tarnat per Kopf ins Netz stieß, das 2:0 fiel nur 94 Sekunden später, als Pizarro eine Flanke von Salihamidzic ebenfalls mit dem Kopf vollendete.

"Die schnelle Führung war wichtig, um Ruhe in unser Spiel zu bekommen", sagte Ottmar Hitzfeld. Und sein Berufskollege Eduard Geyer registrierte für seine Cottbuser Elf: "Alles, was wir uns vorgenommen hatten, ist gleich zu Anfang äußerst fahrlässig kaputtgemacht worden. Nach dem 0:2 war meine Mannschaft schwach, wie gelähmt." Besonders die Cottbuser Defensivabteilung verlegte ihren Arbeitsbeginn kurzerhand auf exakt 15.33 Uhr - also genau drei Minuten nach dem Anpfiff. Und da war nun wirklich fast alles zu spät. Besonders Hujdurovic und Matyus fanden keinen Rhythmus mehr. Es war bezeichnend, dass dann dem Ungarn Matyus zum 0:3-Endstand ein Eigentor unterlief. "Wir haben uns doof angestellt bei den Toren", grollte Geyer.

Wenigstens konnten sich die Cottbuser Fans in der einen Kurve nach einem Kopfball von Marko Topic einmal kurzzeitig über einen Treffer gegen die Bayern freuen, unterlagen dabei aber, wie sie schnell feststellten, einer optischen Täuschung, denn der Ball hatte lediglich das Außennetz etwas eingebeult. Mit einem Kopfball von Hujdurovic, den Bayerns Tarnat von der Linie kratzte (22.), waren dann auch schon alle Tormöglichkeiten für die Gastgeber registriert. "Wenn du gegen die Bayern etwas ausrichten willst, musst du ihnen die Lust am Fußball nehmen", hatte Geyer vorab gefordert. Das bajuwarische Lustprinzip blieb indes ungestört.

Zum Ärger über die Niederlage gesellt sich für Cottbus wohl weiteres Ungemach. Sieben Minuten vor Schluss flog Schiedsrichterassistent Josef Webers vor der Ausführung eines Eckballs eine von den Rängen geworfene Kastanie an den Hinterkopf. Er hielt sich den schmerzenden Kopf, Schiedsrichter Jürgen Aust aus Köln machte sich eifrig Notizen, drohte mit Abbruch der Partie bei Wiederholung eines solchen Vorfalls. Nach dreiminütiger Unterbrechung ging es dann weiter. Cottbus muss nun mit einer Geldstrafe durch den DFB rechnen.

Um die vier Bananen, die Oliver Kahn vor dem Beginn treffen sollten, kümmerte sich keiner mehr. Die lagen noch lange nach Spielschluss unbeachtet hinter der Torauslinie auf dem Rasen und faulten vor sich hin.

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