Cottbus im Abstiegskampf : Schön gerechnet

Energie Cottbus sieht im Abstiegskampf keinen Grund zur Panik. Schließlich kämpfen sechs bis acht Teams um den Klassenerhalt, meint Trainer Prasnikar. In der Sonderschule der Bundesliga stehe Energie gar nicht so schlecht da.

Karsten Doneck[Cottbus]
Energie Cottbus - VfB Stuttgart 0:3
Der Cottbuser Emil Jula (rechts) im Zweikampf mit Stuttgarts Thomas Hitzlsperger.Foto: dpa

Der Mann kennt ein paar pfiffige mathematische Kunstgriffe. Schon in der vorigen Saison machte Bojan Prasnikar mit einem kleinen Trick seine Mannschaft, den FC Energie Cottbus, zum Tabellenführer. „Es gibt fünf Mannschaften, die gegen den Abstieg spielen. Von diesen fünf Teams wollen wir Erster werden“, sagte der Trainer. Prasnikars Wunsch war der Mannschaft Befehl. Sie hielt als Beste aller fünf Abstiegskandidaten die Klasse. In der realen Tabelle war Cottbus Fünfzehnter geworden.

Auch diesmal bemüht sich Prasnikar wieder, seine Mannschaft in eine eigene Liga einzuordnen, in eine Art Sonderschule der Bundesliga. Nach dem 0:3 am Samstag gegen den VfB Stuttgart stellte der Slowene fest: „Wir befinden uns in einem guten Kreis von sechs bis acht Mannschaften, wir haben keine großen Rückstände.“ Womit Prasnikar nicht Unrecht hat. Mannschaften wie Arminia Bielefeld, der VfL Bochum oder der Karlsruher SC kratzen sich auch nur mühsam ihr karges Punktekonto zusammen. Die Abstiegsfrage bekommt Lotterie-Charakter: Zwei aus Acht. Der Drittletzte bekommt in dieser Saison eine zweite Chance auf den Klassenerhalt in Entscheidungsspielen gegen den Dritten der Zweiten Bundesliga.

In acht Heimspielen reichte es nur zu einem Sieg

Der Nachteil der Cottbuser: Sie holen vor eigenem Publikum einfach zu wenig Punkte. „Das ist sicher unser großes Problem“, weiß Prasnikar. Ein Sieg, ein Unentschieden – mehr Verbuchbares für die Habenseite brachte die Energie-Elf in den acht Heimspielen während der Hinrunde nicht zustande. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres trug die Mannschaft immerhin elf Punkte zusammen (drei Siege, zwei Unentschieden). Gegen den VfB Stuttgart am Samstag bewies Energie zwar nach dem frühen Rückstand-Schock Moral, bäumte sich auf wie ein Springpferd vor einem allzu hohen Hindernis, aber der Sprung auf die andere Seite gelang dann doch nicht. „Nur durch einiges Unglück kamen wir nicht zum 1:1“, ärgerte sich Prasnikar und dachte dabei wohl auch an Emil Julas Lattenkracher, dem wenig später bei einem Konter das 0:2 durch Jan Simak und damit der endgültige K.o. folgte.

„Diese kleinen Entscheidungen, was die Zweikämpfe angeht und den Abschluss – das macht eben den Unterschied aus zwischen uns und dem Gegner“, sagte Prasnikar nachher enttäuscht. An Resignation denkt bei Energie Cottbus niemand. Warum auch? In der vorigen Saison stand der FC Energie mit 15 Punkten nach der Hinrunde auf einem Abstiegsplatz, rettete sich dann aber doch noch, weil die Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte noch 21 Punkte draufpackte.

Nur einer von vielen im Abstiegskampf

Torwart Gerhard Tremmel sieht noch einen anderen Vorteil. Er sagt: „Wir kämpfen doch von Anfang an gegen den Abstieg. Deshalb können wir mit der Situation auch etwas gelassener umgehen.“ Und so lange in der Bundesliga den Cottbusern im Abstiegskampf acht Mannschaften treu zur Seite stehen, ist jede Panikmache unbegründet. Zumal ja – nach Prasnikars Rechnung – der FC Energie bei so viel Konkurrenz nicht mal Primus der Bundesliga-Sonderschule sein muss, um trotzdem in die nächste Erstliga-Saison versetzt zu werden.

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