Cottbus : Keine Rücksicht auf Dresden

Energie Cottbus hätte mit einem Sieg am Mittwoch gegen Dynamo Dresden den Aufstieg in die Erste Liga sicher. Für die Dresdner wäre es womöglich der entscheidende Stoß in Richtung Drittklassigkeit.

Cottbus - Die Tische sind schon festlich weiß eingedeckt, die Party-Lokalität wartet - nach dem Ost-Derby will ganz Cottbus das zweite Fußball-Wunder nach 2000 feiern. Mit einem Sieg am (morgigen) Mittwoch gegen Dynamo Dresden (17.30 Uhr) und einem gleichzeitigen Ausrutscher von Greuther Fürth in Ahlen wäre nach drei Jahren die Rückkehr des FC Energie in die Bundesliga perfekt. «Wir haben in der Rückrunde erst zwei Spiele verloren. Das soll so bleiben», erklärte Energie-Trainer Petrik Sander selbstbewusst. Der 45-Jährige, der vor sechs Jahren als Assistent von Eduard Geyer schon den ersten Aufstieg mitgestaltet hatte, warnte aber eindringlich vor zu zeitigem Jubel: «Noch brauchen wir vier Punkte, um sicher zu sein.»

Dass die Cottbuser mit dem Aufstieg ausgerechnet Dynamo den vielleicht entscheidenden Stoß Richtung Drittklassigkeit versetzen können, gehört zu den Kuriositäten des Ost-Fußballs nach der Wende. Während Energie in der DDR nie eine große Rolle gespielt hatte, waren die Dresdner mit acht Meistertiteln, sieben Pokalsiegen und 98 Europacup-Partien ein Spitzenclub. «Wir können auf die aktuelle Situation der Dresdner keine Rücksicht nehmen, denken nur an uns», betonte Sander, der sich der Brisanz des Duells aber bewusst ist. «Dresden muss gewinnen, wir wollen gewinnen. Das ist ein klarer Pluspunkt für uns», bemerkte der Teammanager. Die Sachsen haben als 16. drei Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz.

Auf jeden Fall herrscht im Stadion der Freundschaft und in ganz Cottbus Alarmstufe rot. Die Sicherheitskräfte sind auch auf den möglichen Frust der Dynamo-Fans und ohne Karten anreisende Dresdner eingestellt. «Das taktische Konzept der Polizei zielt auf eine weiträumig Trennung der Fans beider Vereine», erklärte Olaf Fischer, der Leiter des Polizeischutz-Bereiches Spree/Neiße. Nach seinen Informationen ist es nicht auszuschließen, dass auch von anderen Fan- Standorten Hooligans nach Cottbus kommen, die Unruhe stiften könnten. So werden sogar die Autobahn-Raststätten auf den 135 Kilometern zwischen Dresden und Cottbus in die Kontrollen einbezogen.

Über 500 Polizisten, szenekundige Beamte und weitere Ordnungskräfte auch aus Dresden und Berlin sind aufgeboten. Nur 20.000 Fans werden ins eigentlich 22.500 Zuschauer fassende Stadion gelassen. Aus dem Hubschrauber werden Zufahrtsstraßen und das gesamte Stadiongelände observiert. Der Cottbuser Polizeichef Fischer sprach vom größten Einsatz seit Jahren bei einem Fußballspiel: «Wir sind vorbereitet und gehen davon aus, dass alles friedlich abläuft.»

Mit Lars Jungnickel, der den gesperrten Top-Torjäger Sergiu Radu ersetzt, und Daniel Ziebig gehen auf dem Rasen zwei ehemalige Dresdner mit Cottbus auf Aufstiegsjagd. Der Teammanager erwartet ein Spiel «mit offenem Visier», Dresden habe unter Neu-Trainer Peter Pacult eine deutlich verbesserte Rückrunde gespielt. Um so deutlicher hat Sander seine Profis heiß gemacht für das Derby: «Alle müssen begreifen, was für eine Riesenchance wir haben.» (tso/dpa)

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