Sport : Cottbus - Unterhaching: Die Ost-Süd-Connection

Benedikt Voigt

Beim ersten Mal hatte Gerhard Schröder geschmiert. "Das glaubt mir doch keiner, dass das der Bundeskanzler war", sagt die Dame, die bei Energie Cottbus das Gästebuch betreut. Darin hatte der Bundeskanzler bei seiner Ostreise im Herbst 2000 eine unleserliche Unterschrift hinterlassen. Am Samstag war Gerhard Schröder wieder im Cottbuser Stadion der Freundschaft, und die resolute Dame ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen. Der Bundeskanzler musste sich erneut eintragen. Freudig verkündete sie im Presseraum: "Diesmal hat er sauber geschrieben."

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Schröders Anwesenheit kam überraschend, das Bundeskanzleramt hatte seinen Besuch erst am Freitag um 17.30 Uhr angekündigt. Ausgerechnet die wenig attraktive Partie der beiden Abstiegskandidaten Energie Cottbus und SpVgg Unterhaching hatte er sich ausgesucht. Vielleicht teilt Schröder die Meinung, die der Cottbuser Trainer Eduard Geyer nach dem 1:0 gegen Unterhaching durch das Tor des Brasilianers Franklin Bitencourt äußerte. "Die Bundesliga wird erst durch die Kleinen interessant", hatte der Coach gesagt, "wenn beide Vereine in der Bundesliga bleiben, das wäre doch mal was anderes."

Beide Vereine eint das Schicksal, die kleinsten Klubs der Liga zu sein. Dabei haben sie auf den ersten Blick so gar nichts gemein. Cottbus liegt im Osten, Unterhaching im Süden, Cottbus spielte mit einem Deutschen, Unterhaching mit elf Deutschen in der Startformation. "Wir spüren den moralischen Druck einer ganzen Region", sagt Geyer, mit Unterhaching zittern nur ein paar Fans aus dem Landkreis München, die aus unerfindlichen Gründen mit dem TSV 1860 München und dem FC Bayern München nichts anfangen können. Doch der Abstiegskampf verbindet.

Das zeigte sich auf der harmonischen Pressekonferenz. Eduard Geyer und Lorenz-Günther Köstner mögen unterschiedliche Biografien besitzen, als Trainer sind sie Brüder im Geiste. Köstner gab Antworten auf Fragen, die an Eduard Geyer gerichtet waren. Geyer nickte zustimmend, als Köstner seine Situation beschrieb. "Wir müssen Spieler nehmen, die bei anderen Bundesligaklubs durchgefallen sind", erklärte er, "man kann nicht erwarten, dass diese dann plötzlich in der Bundesliga mithalten können."

Köstner erläuterte auch seine Aussage, Unterhaching gehöre nicht in die Bundesliga. "Ich habe immer gesagt, dass die Bundesliga eine Episode für die SpVgg Unterhaching ist - die Frage ist nur, wie lange diese Episode geht." Momentan sieht es danach aus, als ob das Kapitel nach zwei Jahren abgeschlossen ist. In Cottbus kann man seit Samstag wieder etwas optimistischer sein. Die Rolle als Außenseiter wird Energie aber weiterhin behalten. "Man kann sich auf niemanden verlassen", klagte Geyer über mangelnden Rückhalt. "Wir müssen eben mit unseren Mitteln haushalten." So geht es beiden Klubs. Mit defensiver Taktik lassen sich gelegentlich ein paar Punkte ermauern, das große Manko aber ist die Offensive. "Wenn wir Ebbe Sand und Emile Mpenza hätten", sagt Köstner, "dann würden wir Meister werden." Daraufhin Geyer: "Wir auch."

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