Sport : Daei und Preetz legen den Grundstein

Klaus Rocca

Hertha BSC verschafft sich durch das 2:0 gegen Famagusta im Qualifikations-Hinspiel eine gute AusgangsbasisKlaus Rocca

Am Tag, da die Sonne sich rar machte, lachte Hertha BSC die Sonne. Berlins Fußball-Bundesligist hat die Tür zur europäischen Königsklasse weit aufgestoßen. Wenn nicht alles täuscht, ist der Zettel mit dem Namen "Hertha" in der Trommel, wenn am 26. August in Monaco die Gruppen der Champions League ausgelost werden. Nicht der erhoffte Kantersieg, aber doch ein 2:0 (1:0)-Erfolg sprang im Qualifikations-Hinspiel gegen Zyperns Meister Anorthosis Famagusta heraus. Kein sattes Polster für das Rückspiel am 25. August in Larnaka, aber ein Ergebnis, mit dem man leben kann. 42 500 Zuschauer im Olympiastadion waren jedenfalls zufrieden. Weniger der Schatzmeister, denn nach der Posse um die Sitze war doch eine stattlichere Kulisse erhofft worden.

Für Ali Daei, den Iraner, war es ein Einstand nach Maß. Erst bei einem letzten Test kurz vor dem Spiel war klar, dass er trotz einer noch nicht ganz auskurierten Oberschenkelzerrung würde spielen können. Dann waren erst zwei Minuten gespielt, da hatte der Ex-Bayer schon sein erstes Tor in einem Pflichtspiel erzielt. Dariusz Wosz erlief einen Ball, den die meisten im Toraus gesehen hatten, schlug den Ball mit letztem Einsatz hoch vors Tor, Daei nutzte seine Sprungkraft und köpfte den Ball ins Netz. Dass der bedauernswerte Louka, sein Gegenspieler, einen Kopf kleiner war, erleichterte Daei natürlich seine Aktion.

Beflügelt durch das Blitztor, wartete Hertha mit sehenswerten Angriffen auf. Zeitweilig waren die Zyprer nur Statisten bei diesem Spiel auf ein Tor. Doch die Fans forderten bis zur Pause vergeblich ein zweites Tor. Die Chance war da, doch ob nun Hendrik Herzog oder Eyjölfur Sverrisson, Michael Preetz oder andere - alle scheiterten.

Vom hochgelobten Sturm Famagustas war lange nichts zu sehen. Der Nigerianer Obiku, der mit seinen Toren Slovan Bratislava fast allein besiegt hatte, spielte rustikal mit enormem Körpereinsatz, doch gegen Sverrisson oder (und) Herzog, auch nicht gerade Kinder von Traurigkeit, hatte er einen schweren Stand. Sturmkollege Okkas fiel zunächst überhaupt nicht auf, hatte dann aber vor der Pause ein, zwei gute Möglichkeiten.

Famagustas Torhüter Panayiotou hatte sich früh unbeliebt gemacht, als er nach einer harmlosen Attacke offensichtlich Zeit schinden wollte. Wie hatte doch Hertha-Trainer Jürgen Röber zuvor gesagt: "Der lässt sich oft einfach fallen und liegt dann wie ein Maikäfer auf dem Rücken." Das Spielchen wiederholte sich nach Wiederanpfiff, zum Ärger der Fans. Immerhin hatten sie nun ihren "Buhmann".

So ganz nebenbei ließen sie nach der Pokal-Auslosung auch gleich noch Tennis Borussia ihr Missfallen spüren. "Nieder mit TeBe", skandierten sie. Der Stachel sitzt offenbar noch immer tief.

Mag Panayiotou sehr daran gelegen gewesen sein, für Hertha wertvolle Sekunden tunlichst ohne Aktionen zerrinnen zu lassen, so beschränkten sich seine Vorderleute keineswegs nur auf die Defensive. Sie spielten munter mit, nutzten auch so manche Abwehrschwäche der Herthaner, doch mit dem Torschuss haperte es. Wie man es besser macht, zeigten die Herthaner nach einer knappen Stunde. Wieder einmal hatte Daei geköpft, der Zeitschinder Panayiotou ließ den Ball nur abprallen und Michael Preetz war zum 2:0 zur Stelle. Wie schon beim Freundschaftsspiel gegen Barcelona hatten beide Sturmspitzen getroffen. Es scheint so, als ob das Duo in dieser Saison zur Trumpfkarte wird. Preetz, der Goalgetter, erfährt offenbar tatkräftige Unterstützung.

Kjetil Rekdal, leicht angeschlagen ins Spiel gegangen, musste nach 68 Minuten den Platz verlassen. Für ihn kam Andreas Schmidt, rückte ins Mittelfeld, Kostas Konstantinidis übernahm Rekdals Liberoposten. Der Grieche hatte zuvor im defensiven Mittelfeld gut gespielt. Später verließ auch Daei den Platz, wurde durch Ilija Aracic ersetzt.

In der Schlussphase, als die Zyprer noch einmal erstaunlich mutig zu Werke gingen, wurde deutlich, dass bei Hertha noch einiger Sand im Getriebe ist. Glanz vermochte Hertha ohnehin selten zu verbreiten. Immerhin, sie hatten Röbers Wunschergebnis realisiert. Jetzt muss noch Teil zwei auf dem Erfolgsweg folgen.
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