Sport : Damian Duff, Wirbler

Der irische Linksaußen vom FC Chelsea ist auf europäischer Ebene der kommende Flügelstürmer

Wolfram Eilenberger

Duff macht Druck. Unermüdlich läuft er seine Schleifen. Explosiv tritt er an, bricht wieder ab, schon zeigt er sich am anderen Flügel, wird angespielt, stürmt direkt auf den Außenverteidiger zu, fintiert, erwägt eine Wendung nach Innen, ändert erneut das Spielbein, legt den Ball in den engen, kaum einen Meter breiten Korridor zwischen Gegner und Seitenaus, stößt bis zur Grundlinie durch, um dort den Kopf ein entscheidendes letztes Mal zu heben und den Ball punktgenau ins Zentrum zu flanken. Behaupte noch einer, es gäbe keine Linksaußen mehr.

Von all den sagenhaft kostspieligen Zugängen, mit denen Chelsea London diese Saison den Markt beflügelte, war der 24-jährige Ire die beste Investition. Denn was auch immer Herrn Abramowitsch, seinem zweifelhaften Vermögen und den neuen „Chelskis“ aus London widerfahren mag, Damian Duffs (Foto: AFP) Wert wird weiter steigen. Er ist - auf europäischer Ebene - der kommende Flügelstürmer.

Duff übernimmt diese Rolle von dem Niederländer Marc Overmars und dem Waliser Ryan Giggs. Während Overmars Reserven nie länger als 45 Minuten währten und der gute Giggs in Manchester zunehmend verloren wirkt, konnte Duff seine Qualitäten in den vergangenen Lehrjahren kontinuierlich verfeinern.

Von gedrungener Gestalt und mit jenen Sommersprossen eines Rothaarigen, die in einem Fußballergesicht seit jeher für unbändigen Einsatzwillen stehen, vereinigt Duff den Mut zum riskanten Tempodribbling mit hohem taktischen Talent. Duff denkt, sobald er rennt. Das Leichtathletenlob des „Raketenantritts“ paart sich bei ihm deshalb nicht mit dem verheerenden Zusatz, „für Gegenspieler und Ball gleichermaßen zu schnell zu sein“. Vielmehr befindet sich Duffs Technik auf der Höhe seines Tempos. Das macht ihn zur Ausnahmeerscheinung.

Und wo andere Jungstars nicht nur ihre Millionen, sondern auch ihre Manieren in Londons Nachtleben verlieren, ist Damian Duff ein erdnaher Charakter eigen. Das horrende Monatsgehalt geht direkt auf das Konto seiner Mutter, in gut proletarischer Tradition trägt er ganztägig Trainingsanzug und nach seiner Lieblingsbeschäftigung befragt, gibt er maulfaul an: Schlafen.

Nach dem engen 1:1-Hinspielergebnis im Champions-League-Derby gegen Arsenal London wird der FC Chelsea am heutigen Dienstag (ab 20.15 Uhr live auf Sat 1) einen ausgeschlafen aufspielenden Duff auch dringend benötigen. Wer wollte schließlich bezweifeln, dass Arsenals Göttersturm um Thierry Henry vor heimischer Kulisse den einen oder anderen Treffer landet? Womit als eigentliche, matchentscheidende Frage verbleibt, ob Damian Duff mit seinem flinken linken Fuß Gleiches gelingt.

Jeden Dienstag, wenn die Champions League läuft, stellen wir Ihnen an dieser Stelle die bemerkenswertesten Fußballer der Welt vor – und ihre Geheimnisse.

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