Sport : Danke, Athen

Leipzigs Olympiabewerbung kommen die Pannen gelegen

Friedhard Teuffel

Berlin. Des einen Schwäche ist des anderen Chance. Die Pannen in Athen vor den Olympischen Spielen kommen der Leipziger Olympiabewerbung für 2012 offenbar gerade recht. Die Mitglieder des Aufsichtsrates haben nach ihrer Sitzung am Dienstag im Bundesinnenministerium in Berlin jedenfalls viel von deutschen Sekundärtugenden gesprochen. Bundesinnenminister Otto Schily etwa sagte, die Leipziger Bewerbung habe wegen der „bekannten Zuverlässigkeit Deutschlands bei der Organisation“ gute Chancen. Und Klaus Steinbach, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), erklärte: „Diese Unsicherheit wie jetzt in Athen will niemand haben. Da müssen wir unsere Stärken herausstreichen.“

Die deutschen Olympiastrategen weisen wohl auch deshalb auf Athens Defizite hin, weil sie fürchten, die erste Stufe des Auswahlverfahrens nicht zu überstehen. Am 18. Mai gibt das Internationale Olympische Komitee (IOC) bekannt, welche der neun Bewerberstädte offizielle Kandidaten werden. Zunächst glaubte Leipzig fest an eine Nominierung, zumal IOC-Präsident Jacques Rogge gesagt hatte, er halte auch neun Kandidaten für möglich. Doch inzwischen sind die Zweifel gewachsen. Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee sagte zuletzt bei der Vollversammlung der NOKs in Athen, er rechne nur noch mit fünf Kandidaten. Auch Steinbach sagte gestern: „Es wird einen Schnitt geben, aber wo er gemacht wird, ist völlig offen.“ Steinbach, Tiefensee und Bewerbungs-Geschäftsführer Peter Zühlsdorff glauben jedoch, in Athen einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. „Wir haben positive Rückmeldungen erhalten“, sagte Steinbach.

Vom Leipziger Konzept der kompakten Spiele soll nun bald auch der Bundeskanzler die deutsche Wirtschaft überzeugen. Bislang sind etwas mehr als sieben Millionen Euro eingeworben worden, mit weiteren Großunternehmen laufen Verhandlungen. Minister Schily sagte, dass es von Gerhard Schröder in „allernächster Zeit eine Einladung an Personen geben wird, die als Förderer des Olympiaprojekts in Betracht kommen“. Fest steht schon der Termin für den Besuch des IOC-Präsidenten Jacques Rogge in Leipzig. Am 19. April wollen die Leipziger ihm ihre Stadt zeigen. Zühlsdorff will dafür keine Potemkinschen Dörfer aufbauen. „Wir werden ihm Leipzig so zeigen, wie es ist.“

Die Darstellung der Leipziger Bewerbung sollen noch zwei Personen verbessern helfen, die zurzeit noch nicht bekannt sind. Die Bewerbungsgesellschaft möchte innerhalb der nächsten zehn bis vierzehn Tage einen weiteren Pressesprecher einstellen und einen Mitarbeiter für die internationale Sportkommunikation.

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