Sport : Das D-Wort fehlt

Jan Ullrich legt nach Schuldspruch Teilgeständnis ab.

von

Berlin - Vor einem Strafgericht würde es eventuell als Teilgeständnis gewertet werden. Jan Ullrich hat am späten Abend des Tages, an dem ihn der Internationale Sportgerichtshof Cas für des Dopings schuldig befunden hat, reagiert und eine Erklärung veröffentlicht. Es ist seine erste in den bald sechs Jahren der Dopingvorwürfe und zahlreichen straf- und zivilrechtlichen Verfahren gegen ihn. Darin räumt er den schon vor Jahren nachgewiesenen Kontakt zum Dopingarzt Eufemiano Fuentes ein, ohne das D-Wort zu benutzen. Das ist im Moment wahrscheinlich klüger, weil nicht so leicht in große Schlagzeilen umzuwandeln, die langfristigen Auswirkungen gilt es abzuwarten.

Stattdessen kommen die Wörter „Fehler“, „bereuen“ und „entschuldigen“ vor. Das D-Wort fehlt auch deshalb, weil nicht gänzlich auszuschließen ist, dass Rennveranstalter und Sponsoren für den im Urteil benannten Zeitraum ab Mai 2005 noch Regressforderungen an den 2007 zurückgetretenen Ullrich stellen. Schon 2006 habe er sich öffentlich äußern wollen, auf Anraten der Anwälte aber geschwiegen.

Quasi im Schutze der Nacht wurde gegen Mitternacht der Text auf Ullrichs Homepage veröffentlicht, in dem er von großem Druck schreibt: „Ich wollte für die Tour 2006 nochmals alles rausholen. Nach meinem Toursieg 1997 und fünf zweiten Plätzen waren der Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren und auch mein Eigendruck immens groß. Alle wollten einen zweiten Toursieg.“ Ullrich wolle sich nicht beklagen, sieht sich aber auch als Opfer: „Suspendierung, Schlagzeilen, Ächtung, Hausdurchsuchungen, Strafverfahren, Klagen. Ich fühlte mich alleingelassen, wie durch einen Sieb gefallen. Die ganze Welt wollte mich an die Mauer stellen und dann bin ich instinktiv in Deckung gegangen, habe mich erst mal zurückgezogen.“

Ullrich litt später am Burnout-Syndrom und ist nun „froh, dass endlich ein Urteil gefällt wurde“. Mit dem Profi-Radsport will er künftig nichts mehr zu tun haben.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben