Sport : Das Ende der Idylle

Stefan Hermanns

über das Scheitern des Systems Finke in Freiburg Es gibt sie also doch noch, die kleinen Biotope, in denen der SC Freiburg erfolgreich sein Image vom etwas anderen Verein pflegt. Auf dessen Homepage tobt im Fanforum der herrschaftsfreie Diskurs wie im Allgemeinen Studierendenausschuss der Uni Freiburg. Jeder darf seine Meinung äußern, und der Eingriff des Vereins beschränkt sich auf den Hinweis, dass der Verein keine Verantwortung für die Inhalte trägt.

Notwendig ist dieser Hinweis nicht, weil niemand auf die Idee käme, dass die Beiträge der Vereinslinie entsprechen. Immer offener richtet sich die Stimmung gegen Trainer Volker Finke, und die Massivität der Bekundungen macht es schwierig, die Finke-Gegner wie gehabt als Verblendete zu diskreditieren. „Südbaden muss frei werden von Diktatur, Unterdrückung und Verleumdung“, fordert ein Fan und beschmiert damit die basisdemokratische Fassade des Sportclubs. Von der linksalternativen Idylle ist ohnehin wenig geblieben. Die von Finke verpflichteten Spieler aus Mali, Georgien, Burkina Faso und dem Libanon, die bisher als funktionierendes Eine-Welt-Modell galten, werden jetzt als „Söldnerpack“ beschimpft.

Den SC-Fans ist zuletzt aber auch einiges zugemutet worden: ein 0:7 gegen Bayern, das 0:5 in Mainz und der Sturz ans Tabellenende. Freiburg hat die meisten Tore kassiert, die wenigsten geschossen – und Finke verteidigt seinen Job damit, dass er bereits die Planungen für die Zweite Liga abgeschlossen hat.

Dass sich die Wut nun vor allem gegen den Trainer richtet, liegt daran, dass Finke mehr ist als eine Symbolfigur. Das System Finke sieht keine Stars vor – außer Finke selbst. Die Mannschaft ist eine Ansammlung von Durchschnittsspielern, aus denen der Trainer in guten Jahren ein überdurchschnittlich funktionierendes Kollektiv geformt hat. Dauerhafter Fortschritt aber ist nicht zu erkennen. Guten Jahren folgen schlechte, und Finke verteidigt die Schwankungen mit den nachteiligen Rahmenbedingungen in Freiburg. Der SC positioniert sich daher als Ausbildungsverein, doch der Philosophie des Cheftrainers folgend reproduziert diese Ausbildung immer nur neuen Durchschnitt.

Nie hatten junge Spieler in Deutschland größere Chancen in die Nationalmannschaft zu kommen als jetzt unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Vom SC Freiburg aber ist noch keiner dabei gewesen.

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