Sport : Das Ende einer langen Talfahrt

Kiefer zieht ins Finale von Halle ein und trifft dort auf Federer

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Halle/Westfalen (Tsp). Darauf hat Nicolas Kiefer lange warten müssen. Von den Konkurrenten und den Zuschauern eher mitleidig belächelt, schlidderte er zuletzt von einer Blamage in die andere. In Halle/Westfalen ist er urplötzlich zum Publikumsliebling avanciert. Angefeuert von fast 10000 begeisterten Zuschauern hat Kiefer beim mit einer Million Euro dotierten ATPRasenturnier wie im Vorjahr das Endspiel erreicht. Der 25-Jährige aus Hannover, der zuvor im laufenden Jahr bei keinem Turnier weiter als bis in Runde zwei gekommen war, gewann im Halbfinale nach 2:48 Stunden gegen den an Position acht gesetzten Franzosen Arnaud Clement 4:6, 7:6 (7:4), 6:4. In seinem dritten Finale in Halle trifft der Sieger von 1999 heute (13.45 Uhr/live im ZDF) auf den topgesetzten Roger Federer. Der Schweizer setzte sich im zweiten Halbfinale 4:6, 7:6 (7:4), 6:2 gegen den Russen Michail Juschni durch.

„Nach dem Matchball ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Ich bin froh, dass er den Fehler gemacht hat“, meinte Kiefer, der den dritten Matchball genutzt hatte: „Beim ersten war ich so nervös, denn so eine Chance hatte ich schon lange nicht mehr. Das Publikum hier in Halle hat mich super unterstützt.“ Kiefer beeindruckte bei der Fortsetzung seiner unverhofften Erfolgsserie von Beginn an mit zum Teil erstklassigen Schlägen, kassierte allerdings im ersten Satz beim Stand von 4:5 das vorentscheidende Break. Zuvor hatte der frühere Weltranglistenvierte selbst fünf Breakchancen vergeben. Im zweiten Durchgang brachten sowohl Kiefer als auch Clement jeweils ihren Aufschlag durch, im Tiebreak hatte der Deutsche die besseren Nerven und schaffte nach 2:04 Stunden den Satzausgleich.

Möglicherweise entkräftet durch das Marathon-Match gegen den Slowaken Karol Kucera, das Clement erst nach 3:23 Stunden für sich entschieden hatte, konnte der Franzose im entscheidenden Durchgang nicht mehr mithalten. Der frühere Daviscup-Spieler, der zwei seiner zuvor drei Begegnungen mit Clement gewann, nahm seinem Kontrahenten gleich im Auftaktspiel den Aufschlag ab und brachte danach seine Aufschlagspiele ungefährdet durch. Nachdem Kiefer seinen ersten Matchball noch per Doppelfehler ungenutzt gelassen hatte, machte er bei seiner dritten Siegchance alles klar.

Schon vor dem Einzug ins Finale hatte Kiefer mit seinem Abschneiden in Halle sehr zufrieden sein können. Schließlich stand Deutschlands ehemaliger Topspieler als einziger von sieben angetretenen deutschen Profis im Viertelfinale, wo er Rainer Schüttlers Achtelfinal-Bezwinger Radek Stepanek (Tschechien) ausgeschaltet hatte. Insgesamt konnte Kiefer somit wie im Vorjahr seine sportliche Talfahrt beim einzigen Rasenturnier der Tour auf deutschem Boden stoppen.

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