Sport : Das erste Mal (Glosse)

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Das erste Mal ist immer mit Schwierigkeiten verbunden. Das ist beim Sex und bei den German Open dasselbe. Bei letzterem gibt es allerdings ein paar Tricks, mit denen sich kaschieren lässt, dass man diesem Ereignis sozusagen jungfräulich beiwohnt. Man macht einfach das, was alle Tennisfreunde machen. Stellt sich in die Warteschlange zu dem Platz, auf den alle wollen, schweigt auf dem Centrecourt, wenn alle schweigen, und klatscht nach einem Ballwechsel, wenn alle klatschen. Leider gibt es aber noch die Kleinigkeiten, durch die sich der Anfänger verrät. "Du hast das Turnierschnitzel gegessen?", fragt mein Chef und schaut mich mit dieser Mischung aus Mitleid und Belustigung an. Ich hatte mir nichts dabei gedacht, hatte mir am Büffet des Presseraumes ein Schnitzel mit einem Häufchen Senf auf den Plastikteller geladen und merkte erst später, dass es sich um ein besonderes Stück Fleisch handeln muss. Es zeichnete sich nämlich durch einen erhöhten Fettgehalt sowie Sämigkeit aus und wehrte sich hartnäckig gegen den Verzehr. Mit Erfolg, muss ich schreiben, denn eine Schnitzelhälfte wanderte in den Papierkorb. "Er hat das Turnierschnitzel gegessen", sagt mein Chef zum Kollegen W., und beide lachen, als hätte ich Martina Hingis gefragt, was sie denn mit dem Schläger vorhabe. Seit 1979 gebe es nun die German Open, sagt mein Chef, und das Turnierschnitzel sei das Einzige, was sich seitdem nicht verändert habe. Es sind meine ersten German Open, und ich hatte am Büffet Lehrgeld bezahlt, wenngleich das nicht ganz stimmt, denn das Turnierschnitzel war umsonst. Das Gute an einem solchen Fehler ist allerdings, dass man ihn nur einmal macht. Heute ist das Fleisch noch nicht angeliefert, aber ich habe mir vorgenommen, genauer hinzuschauen. Sollte wider Erwarten einer zugreifen, so werde ich leise lachen und denken: "Schau an, ein Anfänger."

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