Sport : Das Evangelium nach Mosley

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Benedikt Voigt über den Einfluss der Theologie auf die Formel 1

Die Formel 1 ist eine Sportart, die theologisch unterschätzt wird. Das mag daran liegen, dass es schwer ist, sich über Gott zu unterhalten, wenn man kleine gelbe Stöpsel gegen den Motorenlärm in den Ohren trägt. Auch steht es mit dem Gottesdienstbesuch der Motorsport-Fans nicht zum Besten. Immer wieder sonntags haben sie die Wahl zwischen dem Gang zur Kirche oder dem Besuch einer Rennstrecke. Viele entscheiden sich für die Formel 1. Sind die Fans erst in Magny Cours oder Monaco eingetroffen, finden die Kirchenglocken erst recht kein Gehör (siehe gelbe Stöpsel und Motorenlärm). Nur wenn der Pfarrer von Maranello die Glocken läutet, wissen sie den Klang zu deuten: Aha, Michael Schumacher ist wieder Weltmeister. Die Menschen der Formel 1, ein gottloses Volk? Stimmt nicht.

Max Mosley und Bernie Ecclestone haben ihre Bibel gelesen. Besonders Matthäus 20, das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, hat es dem Präsidenten des Automobil-Verbandes Fia und dem Formel-1-Chef angetan. Ist unser Weinberg nicht die Formel 1, dachten sie, heißt unser Arbeiter nicht Michael Schumacher? Und sie lasen weiter, denn sie hatten mit diesem Arbeiter ein Problem. Der Mann war so gut, dass er immer der Beste war. Das machte die Arbeit in ihrem Weinberg langweilig und unattraktiv. Das Studium von Matthäus 20 brachte Mosley und Ecclestone auf eine Idee: Was, wenn wir Bleigewichte an das Auto von Michael Schumacher hängen? Oder ihn in einen Minardi setzten? Überhaupt, sollten nicht alle Fahrer die Autos tauschen? „Dann würden wir wirklich sehen, wer die besten Rennfahrer und Teams sind“, sagte Mosley. Wenn Michael Schumacher nicht mehr als Erster über die Ziellinie fährt, ist sein Werk vollbracht. Denn es steht geschrieben in Matthäus 20, Vers 16: „So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.“

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