Sport : Das fränkische Trauma

Warum verlieren Eisbären immer gegen Nürnberg?

Claus Vetter

Berlin – Pierre Pagé schritt auf und ab. Das Sakko über dem Arm. Der Mann, der da am Sonntagabend in den Kabinengängen der Arena Nürnberg unterwegs war, wirkte abwesend. Der Verdruss war beim Trainer des EHC Eisbären derart groß, dass er nicht in die Kabine zu seinen Spielern wollte. Ein paar Meter weiter bot sich dagegen ein fröhlicheres Bild. Menschen hämmerten mit den Fäusten gegen die Plexiglasscheiben auf der Bande, auf der Spielfläche drehten die Spieler der Nürnberg Ice Tigers ihre Ehrenrunden. Es wurde ein Sieg gefeiert, der erst kurz vor der Schlusssirene zustande kam: 3:2 hatten die Franken die Berliner in einem dramatischen Eishockey-Spiel geschlagen.

Zehn Sekunden hatten den Eisbären zum so sehr erwünschten Erfolgserlebnis gefehlt. Zehn Sekunden vor Ablauf der 60 Minuten erzielte Tomas Martinec das 3:2 für Nürnberg. Die traurige Serie der Eisbären gegen die Ice Tigers war um ein Kapitel reicher. Seit sechs Spielen haben die Berliner nicht einen Punkt gegen Nürnberg holen können. Das schmerzt. Besonders Pierre Pagé. Als die Spieler der Ice Tigers dann dem Berliner Trainer auf dem Kabinengang nach Ende ihrer Feierlichkeiten begegneten, lächelte Pagé nur süffisant: Er fühlte sich betrogen. „Das Leben ist manchmal unfair, also ist es der Sport auch“, sagte der Kanadier später. Das letzte Gegentor hatten die Berliner in Unterzahl kassiert. „Ich muss erst mal das Video schauen, dann werde ich sehen, ob die Niederlage unserer mangelnden Disziplin geschuldet ist, oder ob jemand anderes für sie verantwortlich ist.“ Damit meinte Pagé wohl Schiedsrichter Thomas Schurr. Andere Berliner wurden da deutlicher. Stürmer Kelly Fairchild erhielt nach einer Diskussion mit dem Mann aus Bad Wörishofen noch nach dem Spiel eine Spieldauerstrafe.

Niederlagen gegen Nürnberg ärgern die Eisbären besonders. Man mag sich nicht. Nürnbergs Trainer Greg Poss bewies das mit seiner Aussage, dass die Strafen des Schiedsrichter gegen die Berliner berechtigt gewesen seien: „Es wäre doch unfair gegenüber der Mannschaft gewesen, die unbedingt gewinnen wollte, hätte der Schiedsrichter nicht gepfiffen.“ Die Mannschaft, die unbedingt gewinnen wollte, die kam nach Auffassung von Poss aus Nürnberg.

Grußlos trennten sich schließlich die beiden Trainer am Sonntagabend: Gleiches Spielsystem, verschiedene Auffassung. Der Konflikt zwischen Poss und Pagé hat seine Ursachen. Der Berliner Trainer ist erbost darüber, dass sich der Nationaltrainer Poss vor dem Deutschland-Cup nicht nach seinen Spielern erkundigt hat, drei von ihnen dann aber in jedem Turnierspiel einsetzte. Das habe zur Folge gehabt, dass die Spieler „ziemlich fertig“ gewesen seien, sagt Pagé.

Es ändert nichts an der Niederlage von Nürnberg nach einem der „ungewöhnlichsten Spiele überhaupt“, wie Pagé sagte. Immerhin, etwas Positives konnte der Berliner Trainer der Niederlage dann doch noch abgewinnen. „Eine gute Mannschaft muss so etwas wegstecken können, vielleicht macht uns dieses Erlebnis nur noch stärker.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben