Sport : Das gekaufte Know-how

Russland investiert jetzt in Beachvolleyball

Felix Meininghaus

Berlin - Was passiert, wenn die Russen den Ehrgeiz entwickeln, die Nummer eins in einer Sportart zu werden, ist bekannt, seit Roman Abramowitsch einen Teil seiner Öl-Milliarden in den Profifußball gepumpt hat. Etwas Vergleichbares könnte den Beachvolleyballern blühen, natürlich in kleineren Dimensionen als bei den Neureichen von Chelsea.

Bislang fand Volleyball in Russland nur in der Halle statt. Sieben olympische Goldmedaillen und elf Weltmeistertitel sind ein beredtes Zeugnis der einmaligen Erfolgsbilanz. „Im Sand starten wir bei null“, sagt Elizaveta Tichtschenko, die in Athen mit Russlands Frauen noch im olympischen Hallen-Finale stand und nun die sandigen Aktivitäten ihres Landes koordiniert. Die Voraussetzungen sind gut: Russland hat eine Vielzahl gut ausgebildeter Spieler und mit Verbandspräsident Nikolai Patruschew einen mächtigen Fürsprecher. Der Mann ist Chef des russischen Inlands-Geheimdienstes FSB und ein enger Vertrauter von Staatspräsident Wladimir Putin. Patruschew hat seinen Kumpel überredet, in Beachvolleyball zu investieren, und der hat den Plan abgenickt.

„Wir haben richtig gutes Geld“, sagt Elizaveta Tichtschenko, und das wird ausgegeben, um fehlendes Know-how einzukaufen. Mit der brasilianischen Olympiasiegerin Jacky Silva und ihrem Landsmann Marcao haben die Russen zwei Top-Trainer geholt und sich bei ihrer Suche auch bei Europas führender Beachvolleyball-Nation Deutschland bedient: Im Februar machte sich erstmals eine Delegation auf den Weg, um im Osten Entwicklungshilfe auf Sand zu leisten. Im Flieger saßen der ehemalige Profi Jörg Ahmann, Trainer Olaf Kortmann, Siegbert Brutschin, Turnierdirektor der morgen beginnenden Weltmeisterschaften in Berlin, Michael Tank, Vertrauensarzt der deutschen Athleten, und Nachwuchstrainer Elmar Harbrecht.

Als in der heimischen Szene durchsickerte, dass die Deutschen die Russen stark machen, löste das ein mittleres Beben aus. Harsche Kritik übte vor allem Julius Brink. Der ebenso begabte wie forsche Abwehrspieler spricht von einem „Riesenskandal“ und formulierte seinen Unwillen in einer E- Mail an den Leitungsstab Beachvolleyball: „Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns Spieler, die mit jeder Nation in sportlicher Konkurrenz stehen“, schreibt Brink und stellt die provokante Frage: „Wie soll ich als Beachvolleyballer, der für Deutschland startet, dieses Verhalten anders deuten denn als Verrat am Volleyball in Deutschland?“

Als die vorher unter Verschluss gehaltene Angelegenheit raus war, wurden die Funktionäre tätig. Brutschin wurde zur Räson gerufen, „wir finden es unglücklich, dass er den Vermittler gespielt hat“, sagt Götz Moser, Vizepräsident Sport im Deutschen Volleyball-Verband. Zudem bekam der beim Berliner Olympiastützpunkt angestellte Harbrecht eine Aktennotiz, weil er für seine nebenberuflichen Aktivitäten weder eine Genehmigung noch Urlaub beantragt hatte.

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