Sport : Das gelobte Ausland

Nationalspieler verlassen die Basketball-Bundesliga

Benedikt Voigt

Berlin - Modisch hat sich Sven Schultzes Wechsel nach Mailand auf jeden Fall gelohnt. Zu Heimspielen muss der deutsche Basketball-Nationalspieler in einem maßgeschneiderten Anzug erscheinen, da trifft es sich gut, dass der Hauptsponsor seines Klubs der Modeschöpfer Giorgio Armani ist. „Ich habe zwei Armani-Anzüge aus der letzten Saison“, sagt Sven Schultze grinsend, „und es werden bestimmt noch zwei weitere dazukommen.“ Armani Mailand hat seinen Vertrag unlängst um ein Jahr verlängert.

Es gibt viele Motive für einen Wechsel von deutschen Basketballspielern ins Ausland. Der Bamberger Steffen Hamann (Fortitudo Bologna) und der Frankfurter Pascal Roller (noch kein neuer Verein) haben ihn gerade erst vollzogen. „Ich wollte eine neue Herausforderung“, sagte Steffen Hamann. Pascal Roller, der eine Ausstiegsklausel aus seinem Vertrag nutzte, begründet das ähnlich: „Ich habe und hatte Anfragen aus dem Ausland und fühle mich in dem richtigen Alter, diese Herausforderung anzunehmen.“ Die Spiele mit der deutschen Nationalmannschaft beim Supercup in Berlin am Freitag und Samstag werden die vorläufig letzte Gelegenheit sein, beide in Deutschland spielen zu sehen. „Für beide ist das eine tolle Sache“, sagt Bundestrainer Dirk Bauermann, „für den deutschen Basketball ist das schlecht.“

Beide waren wichtige Identifikationsfiguren in ihren Klubs. Der Wechsel Hamanns überraschte alle, sogar seinen Vereinstrainer. „Ich habe das erst vor zwei Tagen erfahren“, sagt Dirk Bauermann. Er könne die Entscheidung des gebürtigen Bambergers verstehen. „Ich freue mich für ihn“, sagt Bauermann, „wenn er nicht eine Ausstiegsklausel zum 31. Juli gehabt hätte, hätte ich ihm wahrscheinlich geholfen, aus dem Vertrag in Bamberg herauszukommen.“ Als Bundestrainer sieht er aber auch die negative Seite: „Für die Liga ist das schlecht.“ Es setzt sich ein Trend fort, der in der vergangenen Saison mit der Freigabe der Ausländerregelung in der Basketball-Bundesliga begonnen hat: Die deutschen Spieler zieht es fort. Aus dem aktuellen Nationalmannschaftskader spielen zurzeit nur vier von 14 Spielern in der Bundesliga: Robert Garrett (Brose Baskets Bamberg), Demond Greene, Johannes Herber (beide Alba Berlin) und Guido Grünheid (Rhein Energie Köln).

Es gibt vor allem sportliche und finanzielle Gründe für den Exodus. „In Italien oder Spanien wird auf einem höheren Niveau Basketball gespielt“, sagt Roller, „das reizt mich.“ Schultze erklärt zudem: „In Deutschland wird man als Deutscher nicht so gut bezahlt.“ Durch die Freigabe der Ausländerregelung strömen nun vor allem billige Amerikaner in die Liga. Dadurch fehlt es aber den deutschen Nachwuchsspielern an Einsatzmöglichkeiten. „Der einzelne Verein muss Druck haben, deutsche Spieler zu entwickeln“, fordert Bundestrainer Bauermann, „und der Druck kann nur über die Regularien stattfinden, zum Beispiel, indem ein Verein mit sechs deutschen Spielern antreten muss .“ Momentan müssen in der Bundesliga zwei von zwölf Spielern auf dem Spielberichtsbogen einen deutschen Pass besitzen, in der Saison 2007/2008 sind es drei. „Ein wichtiger, aber kleiner Schritt“, findet Bauermann.

Die Freigabe der Ausländerregelung habe nicht die gewünschte Qualitätssteigerung in der Liga gebracht, sagt Roller. „Die Liga ist athletischer geworden, aber nicht unbedingt stärker.“ Das hätten auch die internationalen Ergebnisse gezeigt. „Das hängt mit den höheren Budgets im Ausland zusammen und der großen Fluktuation in der Bundesliga“, erklärt Roller, „jedes Jahr muss man mit einem neuen Team gegen eingespieltere ausländische Teams antreten.“ Der Nationalspieler hat sich in der Spielergewerkschaft sehr dafür engagiert, dass mehr Deutsche in der Bundesliga spielen. Umso kurioser, dass es nun auch ihn fortzieht. „Man möge es mir nachsehen“, sagt Roller entschuldigend, „ich werde ja nach einem Jahr wiederkommen.“

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