Sport : Das Glück des Tabellenführers

Hoffenheim gleicht kurz vor Schluss in Gladbach zum 1:1 aus und bleibt an der Spitze der Bundesliga

Stefan Hermanns[Mönchengladbach]
255838_3_xio-fcmsimage-20090207221726-006001-498dfa66672c6.heprodimagesfotos85120090208hoffenheim1.jpeg
Salto in letzter Minute. Wellington feiert unter den staunenden Augen seiner Mitspieler den Ausgleich für Hoffenheim.Foto: ddp

Tobias Weis beschränkte sich auf das Wesentliche. „Ganz klar Elfmeter“, sagte der Mittelfeldspieler der TSG Hoffenheim, dann verschwand er in die Kabine. Zwanzig Minuten vor Schluss war Weis’ Kollege Chinedu Obasi nach einem Tackling des Mönchengladbachers Tomas Galasek zu Boden gegangen, Schiedsrichter Lutz Wagner entschied auf Strafstoß und revidierte sich kurz darauf nach Rücksprache mit seinem Linienrichter. Eine mehr als strittige Entscheidung, die Hoffenheimer aber kommentierten sie später ohne allzu große Wut. Sie fühlten sich auch so vom Glück geküsst: Knapp eine Minute vor Schluss traf der eingewechselte Wellington zum 1:1-Endstand für den Spitzenreiter der Bundesliga gegen den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach.

„Wir müssen mit dem Punkt wirklich zufrieden sein“, sagte Hoffenheims Innenverteidiger Marvin Compper. „Wir waren nicht so bissig. Gladbach hat den aggressiveren Eindruck gemacht.“ Wie schon vor einer Woche in Stuttgart hatte Borussias Trainer Hans Meyer nicht unbedingt den neusten fußballerischen Modetrends gehuldigt. Er löste seine Viererkette auf und ließ selbst die Mittelfeldspieler des Gegners in Manndeckung nehmen. „Über 80 Minuten haben sie es richtig gut gemacht“, sagte Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick. „Sie haben es verstanden, unser Spiel nicht zuzulassen.“

In der Theorie möchte Meyer mit seinem Team genau so auftreten wie Hoffenheim: offensiv verteidigen, früh attackieren und den Gegner zu Fehlern zwingen. Allein, es fehlt dazu das passende Personal. Meyers Team ließ sich weit zurückfallen. Ganz auszuschalten waren die Hoffenheimer trotzdem nicht. Nach einer Viertelstunde verpasste Selim Teber knapp das Tor, kurz darauf scheiterte Boubacar Sanogo. „Wir haben im Spiel mit dem Ball die falschen Mittel gewählt“, sagte Hoffenheims Außenverteidiger Andreas Beck. Allerdings wurde das Kombinationsspiel des Spitzenreiters durch den kartoffelackerähnlichen Untergrund im Borussia-Park auch nicht begünstigt.

Die Borussen kämpften vor 42 421 Zuschauern erfolgreich gegen ihre Unterlegenheit an – mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Gelegentlich brachten sie sogar ansehnlichen Fußball zustande. Nach einer halben Stunde scheiterte Karim Matmour an Hoffenheims Torhüter Daniel Haas, der für den verletzten Timo Hildebrand im Tor stand. Haas sah bei Gladbachs Führungstor durch Alexander Baumjohann unmittelbar vor der Pause nicht besonders glücklich aus. „Kann man halten, muss man aber nicht halten“, sagte Trainer Rangnick.

In der zweiten Halbzeit erhöhten die Hoffenheimer ihren Druck, doch es fehlte das Glück im Abschluss. Sejad Salihovic scheiterte zweimal, Demba Ba traf mit einem Fallrückzieher die Latte, und Borussias Torhüter Logan Bailly lenkte einen Kopfball des 17 Jahre alten Marco Terrazzino aus kürzester Distanz um den Pfosten. Die beste Chance zum Ausgleich nahm den Hoffenheimern allerdings Linienrichter Tobias Welz. Schiedsrichter Wagner berichtete später, er habe das Tackling von Galasek an Obasi nicht sehen können. Sein Linienrichter habe zunächst Elfmeter angezeigt, sich dann aber sofort revidiert. Obasi sah für seine vermeintliche Schwalbe die Gelbe Karte. „Es war eine knifflige Entscheidung“, musste selbst Wagner nach Ansicht der Fernsehbilder zugeben.

Rangnick wechselte für die Schlussphase alle verfügbaren Stürmer ein – und sein Mut wurde belohnt. Nach einem weiten Freistoß köpfte der Brasilianer Wellington am langen Pfosten zum 1:1 ein. Es war das erste Bundesligator für den Stürmer, der schon als Fehleinkauf galt. Und es war ein harter Schlag für die Gladbacher im Abstiegskampf. „Wenn man 1:1 gegen den Tabellenführer spielt, fährt man eigentlich nach Hause und macht ein Fläschchen auf“, sagte Hans Meyer. „Aber nicht in unserer Situation.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben