Sport : Das Grauen durchbrochen

Schweden deckt die Schwächen des enttäuschenden Europameisters Griechenland schonungslos auf und siegt vor allem dank Zlatan Ibrahimovic 2:0

Sven Goldmann[Salzburg]

32 Monate lang hat Zlatan Ibrahimovic auf diesen Augenblick gewartet. Auf diese 67. Minute im EM-Stadion von Salzburg, auf dieses erste Tor seiner Schweden beim 2:0 (0:0)-Sieg über Griechenland. Ein Schuss von der Strafraumgrenze, technisch perfekt mit dem Außenspann ins linke obere Tordreieck. Es war das erstes Tor des hochbezahlten Fußballspielers in der Nationalmannschaft seit dem Oktober 2005, und was für ein wichtiges. Es ebnete den Weg zu einem nicht schön herausgespielten, aber hoch verdienten Erfolg über den Europameister, der diesen Titel aller Voraussicht nach nur noch bis zum 29. Juni führen darf. Dann wird in Wien ein neuer Champion gekürt, und es steht nicht zu erwarten, dass es wieder die gestern restlos enttäuschende Mannschaft des deutschen Trainer-Veteranen Otto Rehhagel sein wird.

Auch die Schweden sollten sich, beurteilt nach den gestrigen Eindrücken, vor allzu hohen Ambitionen hüten. Wenn sie sich in der Vorbereitung auf ihr nächstes Vorrundenspiel gegen Spanien das Spiel anschauen, dass eben diese Spanier ebenfalls gestern in der Vorrundengruppe D beim 4:1 gegen Russland zeigten, dann dürfte ihnen reichlich mulmig zumute sein. Schöner Fußball sieht anders aus, als ihn Schweden und Griechenland zeigten.

Anzulasten aber war das denkbar bescheidene Niveau vor allem dem Europameister. Die Griechen stellten nach zwanzig für ihre Verhältnisse halbwegs mutigen Minuten das Spiel nach vorne weitgehend ein. Schon in der ersten Halbzeit spielten sie sich in der eigenen Hälfte im Dreieck die Bälle zu, dabei ohne jede Ambition auf einen Raumgewinn, ja sie dachten nicht einmal daran, die Mittellinie zu überqueren.

Moderner Fußball sieht anders aus, mag Otto Rehhagel sich auch noch so oft darüber lustig machen. Der griechische Trainer, wie gewohnt wild gestikulierend und auf seiner Bank hin- und herzappelnd, zählte noch zu den Aktivposten. Auf dem Rasen war allein dem in Nürnberg so glücklosen Angelos Charisteas und Spielmacher Georgis Karagounis so etwas wie eine positive Einstellung zum Spiel anzumerken. Charisteas hatte ein paar schöne Situationen, schoss auch zweimal vielversprechend aufs Tor, einmal nach einem Solo vorbei an drei Schweden. So mutig waren die Griechen gestern selten.

Schwedens Bemühungen waren weitaus intensiver, litten aber darunter, dass es bei Ibrahimovic und seinem Angriffspartner Henrik Larsson noch nicht wie gewünscht läuft. Was wiederum vor allem an Larsson lag, dem seine 36 Jahre nur allzu deutlich anzusehen waren. Das Spiel ist zu schnell geworden für den Mann, der noch vor zwei Jahren mit dem FC Barcelona die Champions League gewann. Zweimal ist er schon aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, und nach den Eindrücken von gestern hat er sich mit dem jüngsten Comeback keinen Gefallen getan. Bei Helsingborgs IF spielt er nicht mehr auf internationalem Niveau, und wie zu befürchten war, fehlten ihm das Timing, die Schnelligkeit und auch die Kopfballstärke, die ihn zu seiner großen Zeit ausgezeichnet hatten.

Sein Nebenmann Ibrahimovic war sehr viel auffälliger und präsenter, aber auch er hat noch nicht die Form, die ihn bei Inter Mailand zum teuren Star aufsteigen ließ. Noch immer leidet Ibrahimovic unter den Folgen einer Knieverletzung, die seine EM-Teilnahme zeitweise in Frage gestellt hatte. Dazu verfolgten ihn die Griechen erbarmungslos, einmal trat ihm Karagounis ohne Absicht, aber mit voller Wucht in die Weichteile. Und doch liefen vielversprechende Angriffe fast immer über ihn.

Doch mit jeder Minute fand Ibrahimovic besser ins Spiel, und nur folgerichtig entsprang seiner ansprechenden Einzelleistung das erlösende 1:0. Fünf Minuten später machte er Platz für Johan Elmander, und er hatte kaum auf der Bank Platz genommen, als er schon wieder zum Jubeln aufsprang. Nach Petter Hanssons 2:0, dem bisher kuriosesten Tor bei dieser EM. Unter gütige Mithilfe der griechischen Verteidiger Kyrgiakos und Seitaridis wurschtelte der Schwede den Ball über die Linie. Es war die angemessene Schlusspointe eines Spiels, an das auch der Sieger nicht mehr allzu lange denken sollte.

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