Sport : "Das Interesse war noch nie so groß wie 1997"

Ex-Rad-Weltmeister Olaf Ludwig über die Popularität der Friedensfahrt und deren Probleme TAGESSPIEGEL: Früher galt die Friedensfahrt als schwerstes Amateur-Rennen der Welt.Gleichzeitig war sie in der DDR sehr populär.Welchen Stellenwert messen Sie dieser Rundfahrt heute bei? LUDWIG: Aus meiner eigenen Erfahrung als Aktiver kann ich bestätigen, daß das geflügelte Wort von der Tour de France der Amateure berechtigt war.Was die aktuellen Anforderungen angeht, so kann ich aus eigener Erfahrung wenig sagen.Schließlich war ich acht Jahre nicht dabei.Was für mich aber feststeht, ist, daß die Friedensfahrt wieder an Popularität gewinnt und ihre Anziehungskraft weiter zunehmen wird.Ich denke, viele prominente Profirennställe wie Mapel und Once beobachten sehr genau, was sich bei dieser großen Rundfahrt tut, und überlegen, ob sie vielleicht irgendwann mit einem Team dabei sein sollten.Natürlich können wir den sportlichen Leitern solcher Teams nicht hinterherlaufen, sondern sie müssen von selber zur Friedensfahrt kommen.Das Interesse im Vorfeld der Friedensfahrt war jedenfalls noch nie so groß wie in diesem Jahr. TAGESSPIEGEL: Dennoch spricht manches gegen den Termin im Mai.Den Stars des deutschen Teams Telekom, bei dem der seit der Tour de France 1996 so ungemein populäre Jan Ullrich unter Vertrag ist, hier aber nicht startet, paßt er beispielsweise nicht so recht in den Kalender. LUDWIG: Das ist die andere Seite.Es gibt viele Rennfahrer, für die der Termin im Mai ungünstig erscheint.Das Frühjahrsprogramm ist normalerweise am 1.Mai abgeschlossen.Danach holen die Fahrer etwas Luft, bevor sie sich auf die ganz großen Rennen wie die Tour de France vorbereiten.Diesen kleinen Moment der Erholung und des Abschaltens brauchen die Sportler zu diesem Zeitpunkt.Wenn sie aber bis Mitte Mai bei der Friedensfahrt unterwegs wären, dann ginge ihnen wichtige Zeit für diese Phase verloren, denn spätestens Anfang Juni muß man zur Vorbereitung auf die Tour de France wieder mit dem Wettkampfprogramm beginnen.Aus diesem Grund bin ich selber zum Beispiel im vorigen Jahr nicht bei der Friedensfahrt gestartet.Aus diesem Grund fehlen Telekom-Spitzenfahrer wie Eric Zabel, Jan Ullrich oder Bjarne Riis bei der diesjährigen Friedensfahrt. TAGESSPIEGEL: Dennoch scheint das Team Telekom mit dem Vorjahressieger Steffen Wesemann favorisiert. LUDWIG: Telekom ist für mich hier der uneingeschränkte Favorit, und ich bin mir ziemlich sicher, daß diese Mannschaft am Ende den Sieger stellen wird.Allerdings hängt das auch vom Verhalten der Konkurrenz ab.Im vorigen Jahr verhielt sie sich wie das Kaninchen vor der Schlange.In diesem Jahr mit neun Profi- und zehn Nationalmannschaften im Feld ist das vielleicht etwas anders. TAGESSPIEGEL: Was erwartet der frischgebackene Vize-Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) von der deutschen Nationalmannschaft? LUDWIG: Bis auf Jan Schaffrath aus Berlin handelt es sich beim Team Deutschland I ausschließlich um Fahrer der Altersklasse U 23.Für diese jungen Fahrer ist die Friedensfahrt eine echte Bewährungsprobe, die zeigen wird, ob sie diese zehn schweren Tage durchhalten.Man sollte also keine Wunderdinge von den Talenten erwarten. TAGESSPIEGEL: Können Sie den aktuellen Matadoren mit Ihrem reichlichen Fundus an Friedensfahrt-Erfahrung zur Seite springen? LUDWIG: Man kann sicherlich viele Geschichten erzählen, die Begeisterung weêken und den jungen Fahrern vermitteln, daß sie hier an einem der ganz großen Rennen teilnehmen.Ganz praktisch aber muß jeder seine eigenen Erfahrungen bei dieser Tour machen.Da kann ich höchstens grundsätzliche Dinge vermitteln, die den Radsport generell betreffen. TAGESSPIEGEL: Sind Sie bei der Jubiläumsfahrt eher als Radsport-Funktionär oder mehr als Privatperson unterwegs? LUDWIG: Die Rolle beim MDR ist hier sicherlich meine Hauptaufgabe.Ich kann dabei aber nach links oder rechts schauen und mich in meiner Funktion als BDR-Funktionär oder auch in meiner Eigenschaft als Telekom-Repräsentant einbringen.Da kommt hier mehreres zusammen.Ganz wichtig ist für mich auch, daß ich bei der Fahrt unheimlich viele Bekannte treffe wie meine früheren Kollegen beim Team Telekom, Uwe Raab und Falk Boden.Das ist für mich ein sehr schöner Effekt.

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