Sport : Das neue Sparprinzip

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Stefan Hermanns über die Abkehr

der Bundesliga vom ewigen Wachstum

Johan Cruyff, der größte lebende niederländische Philosoph, hat die Wechselspiele des Lebens im Allgemeinen und des Fußballs im Besonderen einmal in dem Satz zusammengefasst, dass jeder Nachteil auch seinen speziellen Vorteil habe. Die aktuellen Ereignisse im deutschen Fußball bestätigen nur, dass Cruyff mit seiner schlichten Wahrheit Recht hat. Die Bundesliga ruht zwar gerade, doch wie so oft im Leben passiert immer dann am meisten, wenn scheinbar nichts passiert. Am Freitag wird die Deutsche FußballLiga die Lizenzen für die kommende Saison vergeben, und, so wie es aussieht, erhalten alle 36 Erst- und Zweitligisten die Berechtigung, in der kommenden Saison am professionellen Spielbetrieb teilzunehmen.

Vor einigen Jahren ist eine solche Nachricht gar keine Nachricht gewesen, da boomte nicht nur der Fußball, sondern vor allem das Geschäft mit ihm, und man musste sich schon eintrachtfrankfurtmäßig dämlich verhalten, um Schulden in lizenzgefährdender Höhe anzuhäufen. Inzwischen aber ist das Goldene Zeitalter endgültig vorbei, Uli Hoeneß, der Prophet des ewigen Wachstums, längst widerlegt. Dass die Vereine auch mit weniger hinkommen – mit sehr viel weniger –, ist eine erfreuliche Erkenntnis. Borussia Mönchengladbach hat die vergangene Saison sogar mit einem Gewinn von mehr als drei Millionen Euro abgeschlossen. Doch nicht bei allen funktioniert das neue Sparprinzip: Der 1. FC Kaiserslautern musste sein Stadion verkaufen, um nicht glanzlos unterzugehen, der Hamburger SV hat die Qualifikation für den Uefa- Cup mit 12,5 Millionen Euro Schulden bezahlt, und ob sich dieser Einsatz am Ende lohnt, ist zumindest fraglich. Im Uefa-Cup ist schon lange niemand mehr reich geworden.

Die meisten Vereine aber haben den Nachteil zum Vorteil gemacht: Sie haben sich für die kaufmännische Sparvariante entschieden, wonach man immer nur das Geld ausgeben kann, das man vorher eingenommen hat, und weil in Zeiten der Krise naturgemäß weniger Geld da ist, bekommen auch die Spieler niedrigere Monatsgehälter. Man muss das gar nicht sozialneidisch bejubeln, denn natürlich gibt es Berufe, die schlechter bezahlt werden als die des Fußballprofis, aber es gibt auch welche, die lukrativer sind. Letztlich ist das eine Frage des Marktes. Die Fußballprofis haben von diesem boomenden Markt lange profitiert. Wenn sie jetzt über schlechte Zeiten jammern, ist das ein bisschen unglaubwürdig.

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