Sport : Das olympische Erbe

Die Fünfkämpfer verkörpern das Ideal der Spiele

Stéphanie Souron

Auf dem Schlachtfeld tobt ein unerbittlicher Kampf, und der Sieg hängt von dem Reiter ab. Er soll sich durch die feindlichen Reihen kämpfen – in seiner Tasche eine wichtige Botschaft für den König. Der Krieger wurde auserwählt für diese Mission, weil er ein tapferer Mann ist, stark und gewandt. Er reitet los, seine Waffen sind ein Degen und eine Pistole, er kommt gut voran. Doch dann nehmen ihm die Feinde das Pferd ab, und eigentlich ist der Krieger jetzt hilflos, aber er gibt nicht auf: Seinen Weg setzt er im Laufschritt fort. Als er an einen Fluss kommt, schwimmt er hindurch und am Ende schafft er es wirklich, dem König die Botschaft zu überbringen.

Der Franzose Pierre de Coubertin kannte diese Sage, und der Krieger entsprach genau seinen Vorstellungen eines modernen Menschen: Ein Mann, der sowohl reiten, schießen, fechten, schwimmen und laufen kann und nebenbei auch noch tapfer und mutig ist. Coubertin ging es 1896 bei der Idee der Wiederbelebung der antiken Olympischen Spiele nämlich auch darum, den Franzosen ein neues Symbol von Stärke zu vermitteln – die Wunden des verlorenen Krieges von 1870/71 saßen tief. Coubertin beschloss, den Modernen Fünfkampf in das Programm der Olympischen Spiele aufzunehmen. Doch den Funktionären schien diese Kombination aus fünf Disziplinen bizarr und so dauerte es weitere 16 Jahre, bis der erste Olympiasieger im Modernen Fünfkampf feststand. Als Gustaf Lilliehöök 1912 in Stockholm die Goldmedaille gewann, wurde er zum Symbol des olympischen Gedankens. Und heute?

Heute tritt in Athen ein deutscher Fünfkampf-Weltmeister an, den kaum jemand kennt. Eric Walther ist 29 Jahre alt, kommt aus Berlin und seit seinem Weltmeistertitel 2003 sucht er nach Sponsoren. Er schrieb über 140 Anfragen an potenzielle Geldgeber. 45 Absagen bekam er, die übrigen Adressaten schickten erst gar keine Antwort. „Da sind wir völlig amateurhaft“, sagt Robert Trapp, Sportwart des Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf.

Jeden Tag trainierte Walther in Berlin mindestens drei der fünf Disziplinen, und trotzdem warten heute in Athen noch Überraschungen auf ihn: Im Reiten bekommen die Fünfkämpfer ihre Pferde erst kurz vor dem Start zugelost, im Fechten treten alle 32 Starter gegeneinander an, immer eine Minute lang. Wer den ersten Treffer setzt gewinnt. „Das ist wie früher im Duell“, sagt Trapp.

Um den Fünfkampf für die Zuschauer attraktiver zu machen, findet der Wettkampf seit 1996 an einem einzigen Tag statt. Die Strecken im Laufen und Schwimmen sind kürzer geworden, und die Sportstätten liegen näher beieinander. Trotzdem gilt Moderner Fünfkampf bei den Olympischen Spielen immer noch als exotisch. Bei der Versammlung des Internationalen Olympischen Komitees 2002 in Mexiko stand der Pentathlon zusammen mit Baseball und Softball auf der Streichliste. Erst eine flammende Rede von Klaus Schormann, dem Chef der deutschen Fünfkämpfer, sicherte die Zukunft des Sports. Bis 2012 ist der Fünfkampf nun fest im olympischen Programm, und Trapp sagt, auch darüber hinaus mache er sich keine Sorgen. „Schließlich vertreten wir immer noch den Geist von Coubertin.“

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