Sport : Das Pech des Tüchtigen

Der 1.FC Köln ärgert den FC Bayern lange, verliert mit 1:2 – und steigt in die Zweite Liga ab

Erik Eggers

Köln. Es klang fast ein wenig trotzig. „Wir haben noch berechtigte Hoffnungen, Deutscher Meister zu werden“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld nach dem knappen 2:1(1:1)- Auswärtssieg seines FC Bayern München beim Schlusslicht 1. FC Köln, der durch die Niederlage abgestiegen ist. Weil die Kölner den Bayern stark zugesetzt hatten, wirkte der Satz des Bayern-Coachs wie ein Appell an seine Spieler, doch bitte schön auch an die Chance zu glauben. Hätte seine Mannschaft diese minimale Chance doch beinahe leichtfertig aus der Hand gegeben.

„Es war ein hart erkämpfter Sieg“, sagte Torwart Oliver Kahn. Dabei war sein Team souverän ins Spiel gestartet, so, wie man es von einem hohen Favoriten erwartet. Dass die Bayern auf allen Positionen besser besetzt sind als Köln, bewies unter anderem ein Dribbling Pizarros gegen den hilflosen Sichone. In der Folge beherrschte der Tabellenzweite das Spiel und hoffte, über Standardsituationen zum Erfolg zu kommen. Doch immer kam etwas dazwischen, so etwa Voigt, der einen großartigen Freistoß Zé Robertos von der Linie köpfte. Dann kam die 24. Minute, die vieles veränderte: Der sagenhafte Fernschuss des Kölner Hoffnungsträgers Podolski, bei dem Kahn zu weit vorm Tor postiert schien.

„Das hat die Kölner doch beflügelt“, erkannte Hitzfeld. Rund zehn Minuten, erklärte der Trainer, „haben wir das Spiel nicht unter Kontrolle gehabt“. Kahn nannte diese Phase eine Schwäche, mit der seine Mannschaft schon die ganze Saison zu tun gehabt habe. „Wir haben mental nicht dagegen gehalten, vor der Halbzeit hätten wir auch mit 0:2 oder 0:3 zurückliegen können.“ Insofern wirkte der Ausgleich in der 40. Minute doch ein wenig plötzlich, überraschend: Ballack hatte aus 18 Metern auf das Tor geschossen, und Pizarro konnte, weil Keeper Wessels den haltbaren Ball nach vorn abprallen ließ, in Abstaubermanier verwerten.

Dadurch bestärkt, rückte der Favorit nach der Halbzeitpause die Verhältnisse zurecht. Die Kölner Abwehr geriet nun permanent unter Druck und spielte sich nur noch selten frei. Nach diversen exzellenten Möglichkeiten – Ballack köpfte an die Latte, Pizarro traf aus kurzer Distanz nur das Außennetz – war die Führung nur eine Frage der Zeit: Der eben für den schwachen Santa Cruz eingewechselte Bastian Schweinsteiger schoss aus 16 Metern aufs Tor, und weil Sinkewiecz noch abfälschte, war Wessels nun machtlos. Aber selbst dann geriet dieser Sieg noch in Gefahr, als Podolski sechs Minuten vor Schluss nur knapp an Kahn scheiterte.

Trotz des bescheidenen Auftritts verlor auch Manager Uli Hoeneß seinen Optimismus nicht. „Am nächsten Samstag werden wir sehen, ob Bremen nervös ist oder nicht.“ Dann kommt der Tabellenführer in das Münchner Olympiastadion. Hoeneß forderte: „Da müssen wir Bremen jetzt wegfegen.“

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