Sport : Das Revolutiönchen

Armin Lehmann

sagt, warum der deutsche Fußball mal wieder verloren hat Ist das nicht wunderbar! Der deutsche Fußball ein Hort der Harmonie, man beauftragt nicht nur Schlichtungskommissionen und bemüht sich um „konsensuale Lösungen“, man findet sie auch noch. Und verkauft sie als großen Kompromiss, als Erfolg. Aber das ist Unsinn. Wer wollte denn DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder unbedingt loswerden, wer hatte an ihm herumzumäkeln? Selbstsüchtig sei er, egoistisch, herrisch, diktatorisch, beratungsresistent, nicht teamfähig. Die alten Männer aus der zweiten Reihe des deutschen Fußball-Bundes haben die Gunst der Stunde doch nutzen wollen, als Mayer-Vorfelder die Bundestrainerfrage fahrlässig verschleppte. Der DFB-Schatzmeister, der DFB-Vizepräsident, viele Länderfunktionäre – sie wollten den anderen alten Mann, den ungeliebten Präsidenten, entmachten und kündigten es auch gerne öffentlich an. Nur hatte niemand vorher nachgedacht und sich gefragt: Warum eigentlich, was nutzt uns das, was wollen wir? Und nun scheint alle Kritik vergessen zu sein.

Der Kompromiss, die Doppelspitze, ist gar nicht das Problem, sondern die hysterische Inszenierung der letzten Tage, die zu dieser Sitzung geführt hat. Das war der größte Schaden für den Fußball und seine ratlosen Vertreter. Natürlich kann man die Stärken von Mayer-Vorfelder als Repräsentant und die des Schatzmeisters Zwanziger als akribischer Bürokrat bündeln, aber dann darf sich niemand wundern, wenn sich nun nichts ändert. Viele werden jetzt sagen: Der Mayer-Vorfelder musste eine große Niederlage einstecken, der habe ja nichts mehr zu sagen. Aber das ist falsch. Einen Machtmenschen wie Mayer-Vorfelder speist man nicht mit Ehrentiteln ab. Der Mann wird weiter seine Politik machen. Schau’n mer mal, wer jetzt Bundestrainer wird.

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