Sport : Das Schweigen in der Kurve

Zwölf Minuten und zwölf Sekunden lang protestieren Fans in den Stadien gegen das Sicherheitskonzept – ganz leise.

Frankfurt am Main - Es soll ein stiller Protest sein, zwölf Minuten und zwölf Sekunden lang. So lang wollen Fan-Organisationen nach dem Anpfiff in den Stadien der Ersten und Zweiten Liga an den nächsten drei Spieltagen schweigen. Unter dem Motto „Ohne Stimme keine Stimmung“ protestiert die Szene gegen das geplante Sicherheitskonzept, das die 36 Profiklubs bei ihrer Vollversammlung am 12. Dezember verabschieden wollen.

Die Aktion steht im Zusammenhang mit dem Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Fanvertreter beklagen zu wenig Mitspracherecht bei der Ausarbeitung, die DFL verweist hingegen auf Gespräche mit Fan- und Sicherheitsbeauftragten sowie in der AG Fanbelange. Der erste Entwurf des Konzepts, der mittlerweile überarbeitet wurde, war bei einigen Vereinen auf heftigen Widerspruch gestoßen. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert verteidigt es und spricht von einer „ziemlich großen Kreuzung“, auf die der Fußball im Kampf gegen die Gewalt zulaufe. Die falsche Abzweigung wäre, „wenn nichts beschlossen wird“. Dann werde seitens der Politik und der Polizei der Druck wieder steigen.

Die in dem ersten Entwurf und auch in der überarbeiteten Fassung vorgeschlagenen Aktionen, darunter strengere Einlasskontrollen, „dienen einzig der Beruhigung der öffentlichen Wahrnehmung, nicht aber der Verbesserung der Sicherheit“, heißt es in einer Pressemitteilung der Fanvertretung des 1. FC Kaiserslautern. „Dagegen zielen sie gegen den Erhalt der deutschen Fankultur und den dazugehörigen Elementen in den Stadien wie Stehplätze, Gesänge und Fahnen.“ Auch die Fanorganisationen „Pro Fans“ und „Unsere Kurve“ hatten vergangene Woche erneut Kritik an dem Konzept geübt. Bei einem Treffen von Ultra-nahen Gruppierungen von 47 Klubs am Rande des offiziellen Fan-Treffens zum Thema Gewalt im Fußball am 1. November in Berlin wurden die zwölf Schweigeminuten beschlossen. Am 8. Dezember sind Demonstrationen in mehreren Städten geplant.

Auch der Widerstand bei den Vereinen ist noch nicht ausgeräumt. Zweitligist FC St. Pauli will erst mit Fan-Gremien diskutieren, um Anträge an die DFL-Vollversammlung stellen zu können. Bei Dynamo Dresden sagte Präsident Andreas Ritter: „Klar ist, dass es eine pauschale Zustimmung oder voreilige Ablehnung bei einem so komplexen Thema nicht geben kann.“ Der 1. FC Union Berlin, einer der ersten und lautstärksten Kritiker, gibt derzeit keine eindeutige Stellungnahme ab. Laut Pressesprecher Christian Arbeit ist der Verein „mitten im Diskussionsprozess“. Einen konkreten Vorschlag machte dafür Hans-Joachim Watzke. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund forderte, dass bei Risikospielen wie zum Beispiel dem Derby gegen Schalke 04 ein Staatsanwalt und ein Richter im Stadion dabei sein sollten. So könnten Randalierer gleich eingesperrt werden. dpa

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