Sport : Das schwerste Geschäft

Nikolai Walujew könnte seinem Promoter Wilfried Sauerland durch einen Sieg am Samstag den ersten WM-Titel im Schwergewicht bescheren

Michael Rosentritt

Berlin - Wilfried Sauerland hat einen Traum. Wenn der Boxpromoter am Montag in Kapstadt die großen Zeitungen Südafrikas in die Hand nimmt, soll ihm gleich auf Seite eins ein bekanntes Gesicht entgegenlächeln. Es soll das Bild seines Boxers Nikolai Walujew sein. „Wenn Nikolai neuer Weltmeister im Schwergewicht ist, wird es so sein“, sagt Sauerland. Kommenden Samstag fordert der Russe den amerikanischen Titelverteidiger John Ruiz in der Berliner Max-Schmeling-Halle heraus. „Für mich persönlich ginge ein Traum in Erfüllung“, sagt der 65 Jahre alte Boxpromoter. Seit fast 30 Jahren ist er im Boxgeschäft, einen Weltmeister im Schwergewicht hatte er noch nie.

Ende der siebziger Jahre begann Wilfried Sauerland, Kämpfe zu veranstalten. Erst in Afrika, wohin es den Wuppertaler Export-Kaufmann vor 30 Jahren geschäftlich gezogen hatte, von 1980 an auch in Deutschland. Manfred Jassmann und René Weller waren seine ersten namhaften Boxer. Später wurde Graciano Rocchigiani Champion (1987). Groß raus kam Sauerland mit der Verpflichtung von Henry Maske und Axel Schulz. Vor allem Maskes erster WM- Sieg 1993 löste in Deutschland einen Boom aus. In der Nach-Maske-Schulz-Ära wurden Sven Ottke und Markus Beyer Weltmeister. Am vergangenen Samstag holte sich Sauerlands Schützling Artur Abraham den Titel im Mittelgewicht.

„Für uns wird Arturs Titel mittelfristig wichtiger sein“, sagt Sauerland, „aber ich wollte schon immer einen Schwergewichtstitel haben.“ Der letzte Deutsche, der im höchsten Limit Champion wurde, war vor mehr als 70 Jahren Max Schmeling. Und der letzte Deutsche, der es versucht hat, war Luan Krasniqi am Tag, an dem Schmeling 100 geworden wäre.

Mitte der neunziger Jahre glaubte der Promoter einen neuen deutschen Schwergewichtsweltmeister, einen Schmeling-Nachfolger, gefunden zu haben. Sauerland investierte ein Vermögen, um den prestigeträchtigsten Titel der Boxwelt anzugreifen. Doch Axel Schulz scheiterte innerhalb von 14 Monaten dreimal. „Das Schwergewicht ist die Formel 1 des Boxens“, sagt Sauerland. Walujew ist zwar kein Deutscher, aber „er ist Teil unserer Boxfamilie. Nikolai trainiert hier im Gym und er wird seine Karriere auch vorwiegend in Deutschland absolvieren.“

Lange Zeit hatte Sauerland keinen Schwergewichtler, der das Zeug zum Champion gehabt hätte. Schließlich nahm er Walujew vor gut zwei Jahren unter Vertrag. Der riesenhafte Russe aus St. Petersburg (2,13 Meter groß, 150 Kilogramm schwer) entwickelte sich besser, als es Experten bei seiner Statur für möglich gehalten hatten. Als Walujew im Mai den Amerikaner Cliffort Etienne schlug, stand für Sauerland fest, dass sein Boxer eine reelle Titelchance besitzt. Bereits im August verhandelte er mit Don King, dem Boxpaten aus den USA. Teil eins des Vertrags mit King löste Walujew ein, als er im Oktober den Amerikaner Larry Donald in einem so genannten WM-Ausscheidungskampf bezwang. Teil zwei der Abmachung ist der WM-Kampf gegen den King-Mann Ruiz, der den Titel der World Boxing Association (WBA) trägt. Teil drei sieht vor, dass King bei einem Sieg Walujews an vier weiteren WM-Kämpfen des Russen finanziell partizipiert. „Wenn man sich mit Don King an den Verhandlungstisch setzt, wird es immer teuer“, sagt Sauerland, der den WM-Kampf für einige Millionen Dollar nach Deutschland, nach Berlin holte.

Allein in Europa wird der WM-Kampf in 17 Länder live übertragen. Am Ring Platz nehmen wird auch die Boxlegende schlechthin. Muhammad Ali wird nach Berlin kommen, vor dem WM-Kampf boxt dessen Tochter Laila Ali. „Es macht uns stolz, die hochkarätigste Boxerin der Welt im Ring und den besten Boxer, den die Welt je sah, präsentieren zu können“, sagt Sauerland.

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