Sport : Das Signal der Niederlage

Mathias Klappenbach

rätselt über die Folgen von Jan Ullrichs Demütigung Irgendwas ist immer. Der legendäre Hungerast in den Alpen 1998 kostete Jan Ullrich den sicher geglaubten zweiten Sieg bei der Tour de France. Oder der Magen-Darm-Virus vor zwei Jahren, als er so gut drauf war und trotz der Erkrankung am Ende nur eine Minute Rückstand auf Lance Armstrong hatte. Und letztes Jahr diese Erkältung gleich zum Start.

Alles nicht so schlimm, heißt es meistens. Aber meistens kommt es dann doch schlimmer. Vielleicht auch dieses Mal. Die merkwürdig unentschiedenen Aussagen Ullrichs sind immer auch Durchhalteparolen und zugleich vorauseilende Erklärungen, falls es mit dem Triumph über Armstrong wieder nicht klappen sollte. Ein bisschen demoralisiert sei er, sagte Ullrich, nachdem er von Armstrong zum ersten Mal in seiner Profikarriere bei einem Zeitfahren überholt worden war. Und weiter: „Ich habe ein bisschen Blut verloren.“ Womit er seinem Trainingsunfall am Tag zuvor meinte. Es wäre plausibel, wenn Ullrich den Unfall als Grund für schwere Beine angeben würde. Aber er will sich keine Schwäche eingestehen.

Dafür entschuldigte Armstrong großzügig den Deutschen. Er spielt mit den unterschiedlichen Rollen. Souverän und taktisch geschickt täuscht Armstrong im Rennen schon einmal eine Schwäche vor, um dann an den anderen vorbeizuziehen. Armstrong ist immer in der Offensive. Ullrich ist, wie üblich in diesem Duell, schon wieder in der Defensive. Mehr als eine Minute in einem kurzen Zeitfahren zu verlieren, ist viel. Aber das ist in drei Wochen auch noch aufzuholen. Die sportliche Niederlage war noch nicht so groß. Die symbolische um so größer.

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