Sport : Das Spielfeld wird zum Planquadrat

Hertha BSC denkt über den Kauf einer Software nach, die die Fußballer individuell überwacht

Michael Rosentritt

Berlin - Falko Götz ist ein akribischer Mensch und ein ehrgeiziger dazu. Der 42 Jahre alte Trainer von Hertha BSC gilt als Perfektionist. Als der Fußball-Lehrer im vergangenen Sommer seinen Job beim Berliner Bundesligisten antrat, hat er den Spielern seine Philosophie mitgeteilt. Er hat der Mannschaft klar skizziert, welche Vorstellung er vom Fußball hat. Mittlerweile hätten die Profis davon viel verinnerlicht, darum stünde Hertha so gut da wie seit Jahren nicht mehr, sagt Götz. Hertha ist Tabellenvierter, hat die wenigsten Gegentore kassiert und ist seit elf Spielen ungeschlagen. „Jetzt geht es darum, die Dinge zu verfeinern“, sagt Götz.

Aus diesem Grund wird Hertha demnächst eine Investition in nicht geringem Umfang tätigen. Nicht in Fußballer-Beine, sondern in modernste Technik. Derzeit verhandelt der Verein mit seinem langjährigen Partner, der MasterCoach Int. GmbH, über die Soft- und Hardware Amisco Pro. Mit Hilfe dieses Systems wird der Verein in der Lage sein, die bereits vorhandene Datenbank zu erweitern, um so die Bewertungen der einzelnen Spieler zu verfeinern. Die Kosten sollen sich auf rund 100 000 Euro belaufen. Das Geld für diese Investition sei vorhanden, heißt es.

Der FC Bayern München gilt als Vorreiter in Sachen technischer Spielanalyse. Auch der VfB Stuttgart und Schalke 04 haben in den vergangenen Jahren viel Geld ins technische Know-how investiert. Bayer Leverkusen und der SC Freiburg verfügen bereits über ein solches System. Hertha wird nachziehen. Das würde bedeuten, dass im Olympiastadion acht Kameras fest installiert werden, die das Spielfeld in Planquadrate aufteilen. So lässt sich jeder Spieler individuell beobachten und sein Leistungsvermögen nach einer Vielzahl von Parametern analysieren. „Es geht nicht darum, einen Spieler bloßzustellen, sondern allein darum, die Leistung zu objektivieren und zu optimieren“, sagte Michael Preetz, Mitglied der Geschäftsführung Herthas.

Mit dieser Technik können ganz spezielle Spielszenen, Laufwege und Zweikampfverhalten analysiert werden. So wird erfasst, dass Spieler X während eines Spiels zum Beispiel 150 Meter gesprintet, 3,6 Kilometer gelaufen und 0,5 Kilometer gegangen ist. Die Hardware würden Mitarbeiter des Trainerstabs und der Scouting-Abteilung des Vereins bedienen. Nach genauen Parametern, die Trainer Falko Götz vorgibt, erstellt eine Firma dann eine DVD, die rasch zur Verfügung steht und der Mannschaft vorgeführt werden kann. „Mich interessiert nicht, ob wir 17 Flanken und der Gegner sechs geschlagen hat, sondern wie viele von den 17 angekommen sind, und warum die eine hinter dem Tor landete und eine andere zum Tor führte“, sagt Götz.

Durch die Einführung dieser Soft- und Hardware ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, bestimmte Datenmengen über einen Spieler anzulegen und sie mit vorhandenen Informationen zu vernetzen. Die Daten können auch Auskunft geben über Ausfall- und Verletzungszeiten eines Profis, über seine Entwicklung, seine Effektivität und und und. Das kann so weit führen, dass Trainer und Manager bei Vertragsgesprächen den Laptop dabei haben und dem jeweiligen Spieler sehr konkret sagen können, welches Bild sie von ihm haben, was sie erwarten oder warum es vielleicht besser ist, das Arbeitsverhältnis zu beenden.

„Wir gehen mit dem Fortschritt“, sagt Preetz, der kein Misstrauen bei den Spielern erkennen kann. Die Mehrheit sei dem System gegenüber sehr aufgeschlossen. Ich sehe darin kein Problem“, sagt Verteidiger Malik Fathi, „wir stehen schon jetzt stark unter Beobachtung.“ Die zusätzlichen Kameras würden „auf unsere Konzentration und unser Spiel keinen Einfluss haben“, sagt der deutsche U-21-Nationalspieler. „Ich würde das begrüßen“, sagt auch Jörg Neubauer, der Berater einiger Spieler von Hertha BSC. „Was heißt gläserner Profi? Es geht darum, jedem Spieler seine Stärken und Schwächen aufzuzeigen. Ich sehe darin eine Hilfe für den Spieler, der sich gezielt verbessern will. Wer damit ein Problem hat, muss den Beruf wechseln“, sagt Neubauer.

Eine Gefahr für den einzelnen Spieler kann auch Götz nicht erkennen. „Im Gegenteil, aus dieser Datenbank entnehme ich Fakten, die ich dann den Spielern als Tipps weitergebe“, sagt Götz. Mit diesem technischen Hilfsmittel werde jeder Spieler „noch perfekter, weil objektiver“, in die Lage versetzt, die taktischen Vorgaben optimal umzusetzen. „Für mich geht es darum, die Spieler auf dem Platz noch besser aussehen zu lassen und mit jedem einzelnen die gesamte Mannschaft“, sagt Trainer Falko Götz.

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