Sport : Das Trauma besiegt

Deutsches Hockeyteam vor Einzug ins Halbfinale

Stefan Hermanns

Das deutsche Hockey hat ein Trauma. Es heißt Großbritannien. Bei den Olympischen Spielen in Sydney war es, im letzten Vorrundenspiel: Die Deutschen, großer Favorit, brauchten ein Unentschieden, um ins Halbfinale einzuziehen und um die Medaillen mitspielen zu können. Kurz vor Schluss stand es 1:1. Doch dann trafen die Briten zum 2:1. Deutschland war draußen, am Ende wurden die Hockey-Männer nur Fünfter. „Das war eine Niederlage, die richtig wehgetan hat“, sagt Florian Kunz, der Kapitän des Teams.

Am Samstag haben die Deutschen wieder gegen die Briten gespielt, wieder bei Olympia, wieder in der Vorrunde. Diesmal gewannen sie nach Toren von Christoph Zeller (zwei), Matthias Witthaus und Justus Scharowsky 4:1. Es war ihre beste Leistung nach einem zähen Start ins Turnier. „Endlich haben wir unsere Linie gefunden“, sagte Bundestrainer Bernhard Peters. Die Frauen gewannen am Sonntagmorgen ihr letztes Gruppenspiel gegen Südkorea durch Tore von Anke Kühn, Franziska Gude und Caroline Casaretto mit 3:2. Anschließend mussten sie fast zwölf Stunden zittern, ob es zum Einzug ins Halbfinale reichen würde. Es reichte, da die Niederlande mit 1:0 Australien schlug. Damit treffen die deutschen Frauen am Dienstag auf China.

Die Männer brauchen heute, im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea, brauchen die Deutschen noch einen Punkt, um ins Halbfinale einzuziehen. Wie vor vier Jahren in Sydney. Die Situation ist ähnlich – und nicht zu vergleichen. Zwar gehören immer noch viele Spieler dem Kader an, die schon in Sydney dabei waren; doch längst ist es eine andere Mannschaft, die auf dem Platz steht. Seit dem olympischen Debakel vor vier Jahren haben die deutschen Hockeyspieler gewonnen, was zu gewinnen ist. Sie wurden zum ersten Mal Weltmeister, sind Europameister und natürlich Favorit auf Gold in Athen. „Ich bin froh, dass die Mannschaft wieder ihre Siegermentalität gezeigt hat“, sagte Peters nach dem Sieg gegen die Briten. Peters, der nach Sydney Bundestrainer wurde, hat die Fesseln gelöst. Sein Vorgänger Paul Lissek dachte vor allem defensiv. Anfangs war die Mannschaft auch mit dem Defensivspiel erfolgreich, „obwohl das gar nicht unser Ding war“, sagt Florian Kunz. Das war das Problem: Im entscheidenden Moment, gegen die Briten, konnten die Deutschen nicht mehr umschalten.

Was Jürgen Klinsmann für die Fußball-Nationalmannschaft vorschwebt, ist im deutschen Hockey längst Realität. Das Team spielt aggressiv und mutig, und Peters arbeitet mit einem Sportpsychologen zusammen, der den Spielern die Angst vor dem Versagen genommen hat. Deshalb ist die Situation ganz anders als damals in Sydney. „Wir haben in den letzten Jahren oft genug gezeigt, dass wir in den entscheidenden Situationen gewinnen können“, sagt Kunz. Ein Punkt reicht, „aber wir gehen auf jeden Fall voll auf Sieg“.

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