Sport : Das ultimative Abenteuer

Stefan Hermanns

Christoph Daum – Entschuldigung für diesen Vergleich – wirkt wie reines Kokain. Er hellt die Stimmung auf, führt zu Euphorie, einem Gefühl gesteigerter Leistungsfähigkeit und vermehrter Aktivität, bei den bekannten Nebenwirkungen natürlich: Der 1. FC Köln ist schon jetzt abhängig. Den Spielern hat am Sonntag eine kleine Prise Daum genügt, um zum ersten Mal seit zwei Monaten ein Zweitligaspiel zu gewinnen. Daum hat vor dem Anpfiff und in der Pause zu den Spielern gesprochen, anschließend sagte der Ohrenzeuge Thomas Broich: „Ich denke schon, dass man seine Handschrift gesehen hat. Er hat einfach Feuer.“

Das passt ins allgemeine Bild. Die Arbeit des Christoph D. ist immer schon auf seine motivatorischen Fähigkeiten reduziert worden. Aber wie sieht es eigentlich mit seiner fachlichen Qualität aus? Für welchen Fußball steht er? Welche Taktik bevorzugt er? Hat er seine Mannschaften dauerhaft besser gemacht? Daum gilt in Deutschland als großer Trainer – völlig zu Recht, weil er überall erfolgreich war. Stuttgart wurde mit Daum Meister, zum bisher letzten Mal. Leverkusen war, als Daum kam, gerade dem Abstieg entronnen – zehn Monate später landete Bayer auf Platz zwei. Und Köln? Man muss ja nur sehen, was nach Daums Entlassung aus dem Verein geworden ist. Noch Fragen?

Keine Fragen, nur eine notwendige Ergänzung. Wo immer Daum angefangen hat, fand er Mannschaften vor, die besser waren als ihr Tabellenstand, und Spieler, die zu den stärksten ihrer Zeit gehörten: Klaus Allofs und Toni Schumacher in Köln, dazu die drei künftigen Weltmeister Bodo Illgner, Thomas Häßler und Uwe Bein; in Stuttgart Guido Buchwald, der gerade im WM-Finale Diego Maradona ausgeschaltet hatte, und Matthias Sammer; bei Bayer schließlich Ulf Kirsten, Jens Nowotny, Christian Wörns. In Köln aber: Broich, Cullmann, Scherz,viel Mittelmaß insgesamt. Für Daum ist das die Chance seines Lebens. Wer es mit diesem Kader schafft, hat endgültig bewiesen, dass er ein großer Trainer ist.

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