Sport : Das Wunder bleibt aus

Spandaus Wasserballer scheitern im Halbfinale

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Berlin - „Heute steht alles unter der Überschrift ‚Das Wunder von Spandau‘“, hatte der Sprecher vor dem Anpfiff des Halbfinal-Rückspiels in der LEN-Trophy der Wasserballer zwischen Spandau 04 und VA Cattaro aus Montenegro in die mit 700 Fans erstaunlich gut besuchte Schöneberger Schwimmhalle geschrien. Sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wollte das Wunder miterleben. Und wurde enttäuscht. Fünf Tore Vorsprung hätten die Berliner nach dem 4:8 im Hinspiel vor zwei Wochen gebraucht, um erstmals nach dem Meistercup-Gewinn von 1989 wieder ein internationales Endspiel zu erreichen. 6:6 (2:2, 2:3, 0:1, 2:0) hieß es am Ende.

Ein ernsthafte Chance hatten die Spandauer wohl schon nach dem Hinspiel nicht mehr, nach dem Hagen Stamm vor allem die Einstellung der Mannschaft moniert hatte. „Diesmal wollten sie, haben gekämpft“, stellte der 04-Präsident fest. Wie emotional beteiligt der Mann am Beckenrand war, bezeugte seine das reale Geschehen leicht klitternde Analyse. „Wir waren auf Augenhöhe. Nimmt man den vergebenen Fünfmeter, diverse Pfostenschüsse und weitere Chancen, dann war zumindest eine Verlängerung drin“, sagte Stamm, der sich aber gleich von seinem früheren Teamkollegen aus der goldenen Generation der Spandauer korrigieren lassen musste. Roland Freund war mit seinem Resümee der Wahrheit deutlich näher: „Die waren individuell auf jeder einzelnen Position besser, athletisch stärker und total abgezockt. Da konnte in der Summe nichts anderes herauskommen.“

Das sah schließlich auch Hagen Stamm ein, der das ungleiche Kräfteverhältnis in die Kurzformel presste: „Wir waren zu doof und nicht reif fürs Endspiel.“ Für die Mannschaft aus Kotor galt das keineswegs. Das mit Klasse-Wasserballern aus Montenegro, Ungarn, Kroatien, Serbien und Slowenien besetzte Team hatte die Ruhe weg, spielte die Angriffszeit aus, wartete auf seine Chance und nutzte sie, wenn sie da war. Das machte den Unterschied. Kotor agierte, Spandau reagierte. Kotor diktierte den Spielrhythmus, Spandau hechelte hinterher. Beim 1:0 und 2:1 durften die Gastgeber kurz hoffen, doch spätestens beim 4:5-Halbzeitstand war die Sache erledigt.

Immerhin, befand Stamm, habe man ein paar internationale Spiele mehr als in der Vorsaison gehabt, wo Spandau schon in der zweiten Runde rausgeflogen war. „Halbfinale ist ja kein Misserfolg, da würden sich Berliner Klubs in anderen Sportarten die Finger nach lecken. Es waren auch ein paar gute Resultate dabei, das Finale wäre das i-Tüpfelchen gewesen.“ Um das zu erreichen, hätte das Team aber mental über sich hinauswachsen müssen. „Nur dann haben wir international eine Chance.“ Die Zukunft freilich, weiß Stamm, sieht alles andere als rosig aus. „Mit Savic und Mackeben werden Leistungsträger aufhören, starker Nachwuchs kommt nicht nach.“ Wunder werden also in den kommenden Jahren kaum Alltag werden. Im Gegenteil, sie dauern eher noch länger, als man heute denkt. Insofern war das Halbfinal-Aus gegen VA Cattaro auch eine verpasste Chance.

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