Sport : Das Wunder von Erkelenz

Der Sammler Johann Schlüper kann jetzt auf neue Bilder vom WM-Finale 54 hoffen

Erik Eggers

Von Erik Eggers

Erkelenz. Johann Schlüper hat wieder Blut geleckt. Lange Zeit hatte sich nichts getan bei seiner schwierigen Jagd auf die Filmaufnahmen zum größten sporthistorischen Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte. Johann Schlüper sammelt bewegte Bilder vom 3:2-Sieg der deutschen Fußballer im WM-Finale gegen die Ungarn am 4. Juli 1954 in Bern. Vor einer Woche hat der Tagesspiegel über seine Sammelleidenschaft berichtet, über sein Bestreben, „Das Wunder von Bern“, von dem nur 18 Filmminuten in den Archiven liegen, komplett zu rekonstruieren. Seitdem bekommt Schlüper nicht nur massenhaft Anfragen von Fernseh- und Radiosendern. Er bekommt auch wertvolle Hinweise darauf, wo sich weitere Sequenzen verbergen könnten. „Das muss ich jetzt erst alles sondieren“, sagt Schlüper.

Das erste Treffen ist bereits arrangiert. Am 4. Dezember „treffe ich mich mit einem Herrn Schümann“, sagt der 52-Jährige, der in Erkelenz am Niederrhein lebt. „Der will mir eine Filmrolle überlassen, die er 1954 als Zehnjähriger zu Weihnachten bekommen hat.“ Schümanns Vater habe damals ein Kino betrieben und alle Ausschnitte über die deutschen WM-Spiele aus der „Fox tönenden Wochenschau“ für seinen Sohn zusammengeschnitten.

Aus Berlin hat sich jemand mit Schlüper in Verbindung gesetzt, der seine Spurensuche finanziell unterstützen will. „Der hat irgendeinen Kontakt zum Unternehmen RWE“, sagt Schlüper. Der Sammler könnte die Hilfe gut gebrauchen. Schlüper vermutet, dass es in Südamerika noch alte Kopien vom Endspiel in Bern gibt. Aber dorthin zu fliegen kann er sich nicht leisten.

Auf nach Uruguay

Die Aussicht, dass sein Fall weitere Aufmerksamkeit erregt, ist recht groß. Andere Zeitungen wollen ebenfalls von Schlüper und seiner Leidenschaft berichten. Das „ORB-Abendjournal“ möchte ihn einladen, der NDR eine Geschichte über ihn machen. Am interessantesten scheint die Anfrage vom SWR zu sein. Der Südwestrundfunk ist innerhalb der ARD für den 50. Jahrestags des WM-Finales verantwortlich und möchte nun möglichst viel historisches Material beschaffen. „Die wollen es zuerst bei einem Sender in Uruguay versuchen“, sagt Schlüper. Dorthin hat die Filmfirma Schubert aus München, die damals die Rechte an der Weltmeisterschaft hielt, eine Kopie versandt. Und zwar bevor Schubert die eigenen Bestände aus Platzgründen wegwarf.

Selbst der Deutsche Fußball-Bund will laut seinem Sprecher Harald Stenger nach dem Länderspiel gegen Holland „darüber nachdenken, welche Quellen man auftun kann“. Und auch Wolfgang Niersbach, zuständig im Organisationskomitee der WM 2006 (OK) für Medien und Kommunikation, „findet die Idee toll, das Material zu rekonstruieren. Für mich gibt es nichts Besseres, als das Finale von Bern zu zeigen“. Schon aus historischen Gründen werde das OK dem Sammler helfen, „wenn er konkrete Hinweise hat, dass irgendwo in den Archiven etwas schlummert“. Über eine Finanzierung der Suche könne er jedoch nicht entscheiden. Schlüper selbst hat offenbar die Hoffnung auf Unterstützung von den Fußballfunktionären aufgegeben. Niersbach habe zu ihm am Telefon gesagt, „Sie können nicht von uns erwarten, dass wir das finanzieren“.

Schlüper selbst reagiert darauf mit der ihm eigenen, stoischen Art. Gerade hat er alle 32 Fußballverbände angeschrieben, die am WM-Turnier in der Schweiz beteiligt waren, auch die aus der Qualifikation. Ein Sammler lässt sich auch durch Rückschläge nicht irritieren. Eher ermuntern.

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