• DAS SPIEL MEINES LEBENS: DIRK STERMANN: 05.11.1977, MSV Duisburg – FC Bayern München 6:3 Dirk Stermann, 47, Kabarettist

DAS SPIEL MEINES LEBENS: DIRK STERMANN : 05.11.1977, MSV Duisburg – FC Bayern München 6:3 Dirk Stermann, 47, Kabarettist

Foto: picture alliance / dpa

Aufgezeichnet von Jan Mohnhaupt.

Von meinem Opa habe ich nur Schlechtes mitbekommen. Er ist auch Schuld, dass ich MSV-Fan geworden bin. Denn als ich fünf Jahre alt war, hat er mich zum ersten Mal mit ins Wedaustadion genommen. Mein Opa kam aus Huckingen, Duisburger Süden, und war eigentlich Fan des Duisburger Spielvereins. Der DSV war ursprünglich die Nummer eins in der Stadt und 1913 sogar deutscher Vizemeister. Als aber die Meidericher 1963 in der neu gegründeten Bundesliga spielten, schwenkte mein Opa um und unterstützte seine Heimatstadt auf Bundesebene.

An diesem Sonnabend im November 1977 hatte er jedenfalls Geburtstag. Und so fuhr mein Vater, auch MSV-Fan, mit mir im Auto von unserem Wohnort Ratingen zu seiner Feier. Auf dem Weg dorthin mussten wir in Duisburg-Mitte noch meinen Onkel, auch MSV-Fan, abholen. Im Radio lief die Bundesliga-Konferenzschaltung: Der MSV Duisburg lag gegen Bayern München 2:3 hinten. Bernard „Ennatz“ Dietz hatte zwar früh das 1:0 für den MSV geschossen, aber der FC Bayern drehte das Spiel noch vor der Pause in ein 2:1. Nach der Halbzeit glich wieder Dietz aus, doch Gerd Müller machte alles kaputt. Die Bayern waren danach drückend überlegen, und ich saß mit hängendem Kopf im Auto. Es war wie immer: Wir hatten keine Chance. Da war ich wie mein Opa ein typischer MSV-Fan – du erwartest nichts, weil eh alles scheiße ist.

Dann plötzlich das 3:3 – wieder durch Dietz. Wir fuhren über die Stadtautobahn A59, wenige Meter am Wedaustadion vorbei, Richtung Süden. Im Radio lief die Schlusskonferenz: Dortmund ruft Duisburg. In Duisburg war noch nichts passiert. Als wir dann auf Höhe des Wedaustadions angekommen waren, hörte ich das Brüllen der MSV-Fans, es schallte aus dem Stadion, aus dem Radio – und vermischte sich mit unserem Geschrei im Auto. Dreifacher Jubel! Denn „Ennatz“ hatte das 4:3 gemacht. Nie mehr im Leben habe ich so ein Gefühl gehabt.

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