• DAS SPIEL MEINES LEBENS: MARCUS MUMFORD: 04. 07. 1990, Deutschland – England 5:4 n.E. Marcus Mumford, Musiker

DAS SPIEL MEINES LEBENS: MARCUS MUMFORD : 04. 07. 1990, Deutschland – England 5:4 n.E. Marcus Mumford, Musiker

Foto: AFP
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Aufgezeichnet von Benjamin Apitius.

Die Weltmeisterschaft 1990 in Italien gehört zu meinen frühesten Erinnerungen überhaupt. Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal drei Jahre alt und schaute das Turnier zusammen mit meinem älteren Bruder in London. Meine Eltern interessierten sich kaum für Sport. Und es ist mir bis heute ein Rätsel, wie man sich – ob nun in England geboren oder in Deutschland – einer Fußballfaszination derart verweigern kann. Das ist doch eigentlich gar nicht möglich, oder? Aber das ist wohl eine andere Geschichte. Mein Bruder und ich hatten uns damals in dem heutigen Arbeitszimmer von meiner Mutter verschanzt. Durch die Vorrunde mussten wir uns noch quälen – und dann wurde es aus englischer Sicht spannender und spannender. Mein Bruder, im Nationaltrikot auf den Knien vor dem Fernseher, ich an seiner Seite, keine Ahnung von Tuten und Blasen. Ich sehe uns noch heute dort sitzen und hoffen und bangen, Verlängerung für Verlängerung. Im Viertelfinale dann gegen die Überraschungsmannschaft aus Kamerun. Roger Milla und seine Tänze. Mein Bruder, entzückt und verrückt, schreit uns in die nächste Runde gegen Deutschland. Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler – wir hatten schon vor dem Spiel kein sonderlich gutes Gefühl. Und ich habe es noch genau vor Augen, die Lautstärke auf Anschlag, England mit großem Aufwand und besser im Spiel. Dann das Foulspiel von Paul Gascoigne gegen Thomas Berthold und Gelb für seinen Einsatz. Mein Bruder außer sich, Gascoigne kommen die Tränen, die Stimme im Fernsehen zittert. Paul wäre gesperrt für das Finale gegen Argentinien. Doch soweit kommt es ja gar nicht. Nach dem 1:1 in der Verlängerung folgt der Showdown vom Elfmeterpunkt. Und dann blockt Bodo Illgner tatsächlich diesen Schuss von Stuart Pearce. Mein Bruder schlägt die Hände vors Gesicht, es ist endgültig aus. Mit dem Fehlschuss von Chris Waddle geht mein erster Sommer zu Ende.

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