Sport : David Odonkor

Wie der Mittelfeldspieler gegen Georgien spielte

Stefan Hermanns

David Odonkor muss sich in Rostock erst einmal an seine neue Rolle gewöhnen. Es ist keine ungewohnte Position, auf der er gegen Georgien für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt, es ist wie immer die im rechten Mittelfeld. Neu ist, dass Odonkor schon beim Anpfiff auf dem Feld steht. Der 22-Jährige vom spanischen Erstligisten Betis Sevilla bestreitet im Rostocker Ostseestadion sein achtes Länderspiel, es ist sein erstes von Anfang an. Auch David Odonkor darf sich nun als vollwertiger Nationalspieler fühlen.

Bisher war er das, was es im Fußball eigentlich nicht gibt: ein Spezialist, der nur für spezielle Situationen aufs Feld kommt. Mit seiner Schnelligkeit kann Odonkor dem deutschen Spiel noch einmal einen Kick geben und das Publikum aufwiegeln wie in der zweiten Minute, als sich die Georgier den Ball im Mittelfeld zupassen, und Odonkor erkennt, dass er schneller am Ball ist. Die Fans kreischen, doch dann legt sich Odonkor den Ball zu weit vor, und weg ist er.

Der 22-Jährige bewegt sich oft, als befände er sich in einer Art Standby-Modus: Er trippelt und tänzelt dann, rückwärts oder zur Seite, wenn der Ball aber in seine Nähe kommt oder sich ein weiter Korridor vor ihm öffnet, ist es als hätte eine fremde Macht von ihm Besitz ergriffen. Dann sprintet er los und holt mit seinen Armen zusätzlichen Schwung wie ein Wachsoldat im Stechschritt. Odonkors Spiel verfügt über wenig Variationen. Doch obwohl seine Gegenspieler wissen, dass er den Ball an ihnen vorbeilegt und dann wie ein Derwisch hinterher spurtet, haben sie kaum eine Handhabe, ihn zu stoppen. Odonkor ist einfach schneller. Seine Kritiker allerdings sagen, dass auch seine technischen Fertigkeiten am Ball nicht ganz mitkommen.

Um die zehnte Minute herum hat der frühere Dortmunder gegen Georgien seine auffälligsten Szenen. Innerhalb kurzer Zeit setzt er sich dreimal an der rechten Seite durch, bringt den Ball in die Mitte, doch nur eine Hereingabe erreicht ihr Ziel. Der Ball landet auf dem Fuß von Mike Hanke, doch der verstolpert ihn. Die Streuung bei Odonkors Flanken bleibt auch in der Folge hoch, am Ende aber kann er immerhin für sich reklamieren, am 2:0 beteiligt gewesen zu sein. Die Szene, die mit dem Torschuss von Michael Ballack endet, nimmt ihren Anfang bei Odonkor. Ein bisschen Glück gehört auch dazu. Die Flanke fliegt genau auf Georgiens Torhüter Lomaia zu, doch der lässt den Ball durch seine Hände flutschen.

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