Davis-Cup : „Weckt uns nicht auf“

Israel feiert einen historischen Tennissieg über Russland und zieht ins Halbfinale des Davis-Cups ein.

Tel Aviv - Nach dem historischen Einzug ins Davis-Cup-Halbfinale tanzten die israelischen Spieler auf den Tischen und sangen „We are the Champions“. Wie der biblische Sieg Davids gegen Goliath wurde der Triumph gegen das scheinbar übermächtige Russland gefeiert. Die Reaktionen nach dem Coup gegen den zweimaligen Davis-Cup-Champion reichten von „messianischem Eifer“ (Haaretz) bis zu Vergleichen mit F-16-Jets auf dem Tennisplatz. Alle Zeitungen des Landes titelten am Sonntag mit Bildern von Jonathan Erlich und Andy Ram, die durch das 6:3, 6:4, 6:7 (3:7), 4:6, 6:4 gegen Marat Safin/Igor Kunizyn ihr Team uneinholbar mit 3:0 in Führung gebracht und den größten Erfolg in der Tennis-Geschichte des Landes gesichert hatten.

„Weckt uns nicht auf. Lasst uns weiter träumen“, schrieb ein Kommentator. „Kein Mensch im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte hätte je auf einen israelischen Sieg gesetzt.“ Der Sieg gegen das riesige Russland ist für das winzige Israel doppelt wichtig. In den letzten Jahren hatte Israel sich langsam aber beharrlich nach vorn gekämpft. Bei den Frauen ist Shahar Peer die große Hoffnung. Nach der Sensation sah die auflagenstärkste Zeitung „Jediot Achronot“ das Land sogar schon als „Imperium“. Vom 18. bis 20. September kämpft Israel gegen Spanien um den Einzug ins Finale.

Bereits das 3:2 in der ersten Runde, als die Außenseiter in Malmö die favorisierten Schweden unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschockt hatten, war an Emotionalität kaum zu überbieten. Der Stadtrat in Malmö hatte aus Angst vor Ausschreitungen das Publikum ausgeschlossen - so die offizielle Begründung. Inoffiziell wurde diese Entscheidung als Protestaktion gegen die israelische Palästina-Politik gewertet.

In Tel Aviv war dann das fast vierstündige Doppel-Drama der nächste Akt. Nach den Einzelsiegen von Harel Levy und Dudi Sela holten die Australian- Open-Sieger des Vorjahres, Erlich/Ram, den entscheidenden dritten Punkt. Das Ergebnis war so unerwartet, dass ausländische Kommentatoren ungläubig ihre israelischen Kollegen anriefen, um sicherzugehen, dass kein Irrtum vorliegt. dpa

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