Sport : Debakel für Schalke

Wisla Krakau gewinnt in Gelsenkirchen 4:1

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Die Heimschwäche des FC Schalke 04 hat von der Bundesliga auf den Europapokal übergegriffen. Was sich in einer Reihe von Meisterschaftsspielen in den letzten Wochen angedeutet hatte, führte im Rückspiel der dritten Uefa-Pokalrunde zum vorläufigen Tiefpunkt in dieser Saison. Beim 1:4 gegen Wisla Krakau ließ sich der Uefa-Cup- Sieger von 1997 in der zweiten Halbzeit auskontern und schließlich sogar deklassieren. „Dass der FC Schalke 04 gegen eine polnische Mannschaft 1:4 verliert, ist einfach nur peinlich“, sagte Mannschaftskapitän Ebbe Sand auf dem Weg in die Kabine. „Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“

Das Ergebnis sprach für sich. Schalke ist ausgeschieden. Torhüter Frank Rost gab zu, seine Mannschaft sei vorgeführt worden. Trainer Frank Neubarth führte die „Niederlage, die sehr weh tut“, vor allem auf die körperliche und geistige Überlegenheit des Gegners zurück. „Die Spieler aus Krakau waren allesamt spritziger, schneller, beweglicher und dynamischer.“

Das 1:1 aus dem Hinspiel schien zunächst jeden Wagemut unterdrückt zu haben. Bis kurz vor der Pause. In der 40. Minute nutzte der Krakauer Mittelstürmer Zurawski eine Flanke des Kapitäns Kosowski und überwand den Schalker Torhüter Frank Rost mit einem platzierten Schuss zum 1:0. Zwei Minuten später gelang Schalkes Abwehrspieler Tomasz Hajto der Ausgleich. Der Pole schoss aus spitzem Winkel ins kurze Eck, nachdem ein Krakauer Verteidiger Jörg Böhmes weite Flanke mit dem Kopf unfreiwillig zum Schützen verlängert hatte. Alles schien sich in Wohlgefallen aufzulösen.

Die Fans feierten Böhme mit Sprechchören. Der Mittelfeldspieler stand nach zehntägiger Verletzungspause zum ersten Mal wieder in der Startelf. Böhme verkörperte wieder einmal die Unberechenbarkeit des Profigeschäfts. Nach dem Hinspiel in Krakau hatte Manager Assauer ihm noch mit dem Rauswurf gedroht, weil er zu eigensinnig gespielt und damit dem Schalker Gemeinwohl geschadet habe. Unmittelbar nach der Pause schienen die Schalker das nachholen zu wollen, was sie in den ersten 42 Minuten versäumt hatten; sie starteten mit einem gefährlichen Kopfball von Poulsen und einem Freistoß von Böhme in den zweiten Durchgang.

Als die Gelsenkirchener sich auf dem richtigen Weg wähnten, mussten sie jedoch einen weiteren Treffer hinnehmen. Kalu Uche schoss die selbstbewusst aufspielenden Krakauer abermals in Führung. Nach diesem Tor war klar, dass Schalke noch mindestens zwei Treffer würde erzielen müssen, um die nächste Runde zu erreichen. Schalke warf alles nach vorn; Trainer Neubarth wechselte für Verteidiger van Kerckhoven Victor Agali als dritten Stürmer ein.

Während die Heimelf dem Rückstand hinterherlief, eröffneten sich für Krakau gute Konterchancen. Auch der Schalker Sturmlauf führte zu Möglichkeiten. Agali fiel eine Flanke Mpenzas vor die Füße, doch der Nigerianer schien überrascht und verstolperte. Sekunden später vergaben Sand und nochmals Agali. Die Fans riefen verhalten: „Steht auf, wenn ihr Schalker seid!“

Doch an diesem Abend fehlte Schalke die Kraft, noch einmal aufzustehen. Im Gegenteil. Am Ende wuchs die Niederlage sich zu einem Desaster aus. Zurawski krönte seine starke Leistung mit dem 3:1, und Kosowski erhöhte in der Schlussminute auf 4:1. Als die Schmach ein Ende hatte, pfiffen die Fans lautstark. Die Schalker auf den Rängen und auf dem Rasen hatten ein blaues, aber kein königsblaues Wunder erlebt. „Es war eine große, große Enttäuschung“, sagte Assauer. Diese Enttäuschung wog umso schwerer, als die Gelsenkirchener vor einer Woche schon aus dem nationalen Pokalwettbewerb ausgeschieden waren. „Gegen Bayern München kann man im Elfmeterschießen verlieren, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass wir zu Hause gegen Krakau verlieren.“ Den oftmals als Entschuldigung angeführten Kräfteverschleiß kommentierte Assauer mit einer bissigen Bemerkung. „Im nächsten halben Jahr hat die Mannschaft wenigstens nicht mehr die Entschuldigung, dass sie überspielt ist.“ Schalke tanzt nur noch auf einer Hochzeit, an diesem Samstag in der Bundesliga – wieder bei den Bayern in München.

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