Dejagahs Länderspielabsage : Weltpolitik für Weltmeister

Spätestens seit der Zentralrat der Juden Dejagahs Rauswurf fordert, ist klar, dass sich der DFB mit der kosmopolitischen Ausrichtung nicht nur die Vorzüge der weiten Welt ins Boot geholt hat, sondern auch ihr größtes Übel: die Politik.

Christian Hönicke

Spielern wie uns gehört die Zukunft“, sagte Mario Gomez vor kurzem. Der Halb-Spanier und deutsche Fußball-Nationalspieler glaubt, dass Einwandererkinder „mehr Biss haben und mehr Gas geben als Deutsche“. Womöglich deshalb bemüht sich seit einiger Zeit auch der Deutsche Fußball-Bund intensiv darum, talentierte Spieler mit fremdländischen Wurzeln in seine Nationalmannschaften zu integrieren.

Ein Blick auf die aktuelle U-21-Nationalmannschaft zeigt die Ergebnisse. Im Kader für das Spiel gegen Israel bringen Dennis Aogo (Nigeria), Jerome Boateng (Ghana), Sami Khedira (Tunesien), Baris Özbek und Mesut Özil (Türkei) sowie Eugen Polanski (Polen) Einflüsse aus anderen Kulturen mit. Ashkan Dejagah ist nicht dabei. Er will nicht in Israel spielen, vermutlich weil er sonst Ärger bei der Einreise in sein Geburtsland Iran befürchtet.

Spätestens seit der Zentralrat der Juden Dejagahs Rauswurf fordert, ist klar, dass sich der DFB mit der kosmopolitischen Ausrichtung nicht nur die Vorzüge der weiten Welt ins Boot geholt hat, sondern auch ihr größtes Übel: die Politik. Können etwa Deutsch-Griechen mit Deutsch-Türken zusammenspielen? Gibt es Ärger, wenn der Halb-Engländer Aaron Hunt gegen Argentinien eingesetzt wird?

Seit Klinsmann erhalten die deutschen A-Nationalspieler DVDs, auf dass sie sich mit Mentalität und Kultur des Gegners vertraut machen. Vielleicht sollten sich künftig auch die Verantwortlichen des DFB auf diese Weise weiterbilden und die kulturellen Hintergründe der eigenen Spieler ergründen. Damit sie beim nächsten Mal nicht blauäugig wie Touristen zwischen die Fronten laufen.

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