Sport : Dem Debakel von Mexiko folgen Hohn und Spott aus In- und Ausland

Thomas Prüfer

Dem Hohn und Spott aus der Fußball-Welt folgte die Belustigung im eigenen Land: Mit einer bisher nicht bekannten Ironie ist die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem blamablen Auftritt beim Konföderationen-Cup in Mexiko bedacht worden. Die DFB-Auswahl habe im Land der Azteken ihren einst guten Ruf durch "Kraut-und-Rüben-Fußball" ("Frankfurter Rundschau") selbst ruiniert. "Die USA beerdigten eine sterbende Mannschaft", urteilte die mexikanische Zeitung "La Jornada" nach dem 0:2 gegen das US-Team. Selbst die "Kronen-Zeitung" aus Österreich, dessen Fußball-Auswahl kürzlich gegen Spanien (0:9) Prügel bezogen hatte, spottete munter drauflos: "Gute Nacht, Deutschland!"

Das Gros der Liga-Vertreter sieht sich bestätigt. "Franz Beckenbauer hat alle gerufen, und alle haben abgenickt. Dabei wussten alle, dass der Zeitpunkt des Turniers total ungünstig war. Jetzt ist der Ruf der deutschen Mannschaft nach dem Katastrophenkick in Mexiko vollends beschädigt", erklärte Manager Rudi Assauer vom FC Schalke 04. "Die Trainer hatten vorher vor der Teilnahme gewarnt. Nach zwei Wochen Vorbereitung hatte die Teilnahme keinen Sinn", meinte Trainer Ottmar Hitzfeld vom Deutschen Meister FC Bayern München. Es war eine Blamage, was in Mexiko passiert ist. Erstens war der Zeitpunkt der Reise falsch, zweitens haben die jungen Spieler, die sich empfehlen wollten, versagt, und drittens sind unsere Chancen auf die WM 2006 durch das Dilemma sicher nicht besser geworden", kritisierte DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler.

DFB-Präsident Egidius Braun warb trotz des Imageschadens noch einmal um Verständnis. "Als ich vor dem Beginn des Turniers gesagt habe, das ist das größte Opfer in der 100-jährigen DFB-Geschichte, wurde das mit Häme kommentiert. Nun ist genau das eingetreten, was wir befürchten mussten, aber nicht vermeiden konnten. Wir mussten in Mexiko antreten, weil man uns nach der Absage vor drei Jahren Arroganz und Ignoranz vorgeworfen hat. Wären wir wieder nicht hingefahren, hätten wir uns in der Fifa isoliert", begründete Braun.

Dass das Ausscheiden des DFB-Teams in Mexiko gut für die Vereine ist, verhehlte Trainer Jürgen Röber von Hertha BSC nicht: "Natürlich bin ich heilfroh, dass unsere beiden Nationalspieler Michael Preetz und Dariusz Wosz nach Hause kommen. Damit können wir uns viel besser auf die Qualifikation für die Champions League vorbereiten."

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