Sport : Dem Scheitern entkommen

Albas Basketballer schlagen Oldenburg 110:82 und ziehen ins Halbfinale ein

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Berlin - Deutsche Basketballfans gelten im Vergleich zu Fußballfans als zurückhaltend. Die Anhänger des Bundesligisten Alba Berlin taten gestern Abend etwas, dass man eigentlich nur von Fußballfans kennt. Tausende von ihnen sprangen in der Max-Schmeling-Halle gleichzeitig auf und ab, in der Fanszene wird das Wippen genannt. Die Begeisterung der 6563 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle war die bislang größte in dieser Spielzeit. Bei einer Niederlage gegen Oldenburg im Play-off-Viertelfinale wäre die Saison für Alba beendet gewesen. Es war das fünfte Spiel der nach dem Modus „best of five“ ausgetragenen Serie. Alba siegte 110:82 (59:48) und trifft deshalb im Halbfinale am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle auf die Eisbären Bremerhaven, die sich gestern Abend gegen Quakenbrück durchsetzten.

Als die Fans nach dem ersten Drittel zu wippen begannen, hatte sich ein Teil ihrer Anspannung bereits gelegt – Alba hatte stark begonnen. Immer wieder spielten die Berliner über ihren Center Jovo Stanojevic, der die ersten vier Punkte für Alba erzielte. Der 28-Jährige behielt trotz des Lärms ein ruhiges Händchen, insgesamt gelangen ihm 15 Punkte. Das von 200 Fans angefeuerte Oldenburg hielt zu Beginn dagegen. Insbesondere Bill Edwards glänzte durch flüssige Bewegungen und gute Würfe, der US- Amerikaner brachte seine Mannschaft Mitte des ersten Viertels mit 11:10 nach vorn. Doch es sollte die letzte Führung der Baskets an diesem Abend bleiben.

Alba fing nach sieben Minuten mit einer druckvollen Verteidigung über das gesamte Feld an. Die Begegnung wurde dadurch so schnell, wie sie die Berliner haben wollten. Spielmacher Hollis Price tat sich besonders hervor und zeigte seine bislang beste Leistung in den Play- offs. Price erzielte 21 Punkte und 13 Assists. Er war der beste Werfer des Spiels.

Zu Beginn des zweiten Viertels führte Alba 30:19, dann traf der im dritten und vierten Spiel der Serie wegen seiner Leistenverletzung kaum eingesetzte Mike Penberthy auch noch einen Dreipunktewurf zum 33:19. Die Halle tobte.

In der Folge wurden die Baskets wieder etwas stärker. Als Bill Edwards vier Minuten vor der Halbzeit auf 39:45 verkürzte, Jovo Stanojevic sein drittes Foul kassierte und ausgewechselt wurde, sah es kurzzeitig so aus, als könnten die Berliner ihren Rhythmus verlieren. Bis Hollis Price zuerst seinen Mitspieler Sharrod Ford unter dem Korb freispielte und im folgenden Angriff selbst einen Dreipunktewurf verwandelte: 55:42.

Die zweite Hälfte war eine Demonstration der Stärke des Tabellenersten gegen den Tabellenachten der Hauptrunde. Stanojevic beging unmittelbar nach dem Beginn des dritten Viertels sein viertes Foul. Nach fünf Fouls wird ein Spieler ausgeschlossen, deshalb wurde er bis zum Beginn des letzten Spielabschnitts auf die Bank gesetzt. Aber selbst ohne ihren besten Spieler waren die Berliner hoch überlegen, weil alle Stammspieler in guter Form waren. Sechs Profis punkteten zweistellig (Jovo Stanojevic, Hollis Price, Demond Greene, Sharrod Ford, Quadre Lollis und Nenad Canak).

Alba spielte in der zweiten Halbzeit noch schneller als in der ersten. Selbst als Sharrod Ford im dritten Viertel einen Pass von Hollis Price in der Luft fangen wollte und dabei abrutschte, trudelte der Ball über den Ring und fiel schließlich noch durch die Reuse: 71:54. Bei Oldenburg dagegen lief überhaupt nichts mehr zusammen. Edwards verfehlte sein Ziel gleich zweimal hintereinander aus kurzer Distanz, Alba vergrößerte den Vorsprung immer weiter. Kurz vor dem Ende standen alle Zuschauer in der Halle auf, um den einhundertsten Punkt der Berliner zu fordern. Nenad Canak erzielte ihn mit einem Dreipunktewurf.

Der Rest des Abends glich einer großen Party. Albas Präsident Dieter Hauert stellte sich nach dem Ende der Begegnung an den Spielfeldrand, um seine Profis abzuklatschen. Die ausgelassenen Feierlichkeiten machten deutlich, wie hoch der Druck auf die Berliner gewesen war. „Es sind Tonnen von meine Schultern gefallen“, sagte Hollis Price.

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