Sport : Demütigung des Ästheten

Dortmunds Marcio Amoroso fühlt sich nicht genug gewürdigt

Felix Meininghaus

Dortmund. Marcio Amoroso muss sich in diesen Tagen vorkommen, als lebe er in zwei Welten: Die gelb-grüne erscheint strahlend wie die Sonne über der Copacabana, während die schwarz-gelbe so trist anmutet wie der Novemberhimmel über dem Ruhrgebiet. Am Mittwoch stürmte Amoroso noch neben Ronaldo in der brasilianischen Nationalmannschaft und siegte 3:2 in Südkorea.

Vier Tage zuvor schmorte der amtierende Bundesliga-Torschützenkönig beim Heimspiel von Borussia Dortmund gegen 1860 München neben Größen wie Michael Ratajczak, Florian Thorwart und Leandro de Deus Santos auf der Bank. Auch heute in Wolfsburg wird Amoroso wohl erst einmal zuschauen. Schließlich sei er erst Freitagmittag vom Länderspiel zurückgekehrt, sagt Trainer Matthias Sammer. „Wir haben und hatten schwere Wochen mit vielen Reisen", sagt Sammer, „da muss man eine gute Strategie entwickeln." Und die beinhaltet, dass Amorosos Einsätze wohl dosiert erfolgen.

Einer wie er, der es gewohnt ist, hofiert zu werden, muss die Personalentscheidungen seines Trainer als Demütigung empfinden. Amoroso, der Magier, der Ästhet am Ball, der Torgarant. Der 28-Jährige tut sich schwer zur Zeit in der deutschen Liga. Natürlich bekommt er mildernde Umstände. Schließlich ist der Stürmer nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Im Sommer konnte er vier Monate nicht gegen den Ball treten, weil ihn Probleme an der Achillessehne quälten. Doch nach seiner Genesung fordert der Star immer wieder, von Beginn an eingesetzt zu werden. Dieser Bitte kommt Sammer nur unregelmäßig nach, manche Beobachter im Dortmunder Umfeld sprechen inzwischen von einer Demontage des Brasilianers.

Amoroso hat sein Trikot zuletzt mit provozierender Lustlosigkeit getragen. Torsten Frings beschwerte sich nach dem 0:0 gegen Bielefeld: Er habe Probleme, mit einem zusammen zu spielen, der nach ausgelassener Großchance grinsend zurücktrabe. Sammer hasst nichts mehr als eine lasche Berufsauffassung. Doch er weiß, wie sehr er auf Amorosos Geniestreiche angewiesen ist. Und deshalb werden die Dortmunder ihren schwächelnden Star weiterhin hätscheln. Weil sie wissen, dass er den Unterschied macht zwischen einem ambitionierten Spitzenteam und einer Mannschaft, die für Titel gut ist.

Wenn Amoroso einen seiner inspirierten Tage hat, kann er Dortmund zur Erfüllung großer Träume schießen. An anderen Tagen verweigert er beleidigt den Dienst, weil er sich und seine Kunst nicht adäquat gewürdigt sieht. Sicher erscheint nur eines: Langweilig wird es mit diesem Burschen nie.

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