• Den 16. Oktober hat sich der Neu-Herthaner rot angestrichen: locker und selbstbewusst, hat er das Spiel gegen Bayern im Visier

Sport : Den 16. Oktober hat sich der Neu-Herthaner rot angestrichen: locker und selbstbewusst, hat er das Spiel gegen Bayern im Visier

Klaus Rocca

Lässig gab er sich: Gewandet in ein weißes Polohemd, braune Schuhe zu dunkler Hose, die Bartstoppeln unübersehbar. Für Thomas Helmer war dieser Tag nicht unbedingt der bedeutendste in seinem Leben. Dennoch, einen so Großen Bahnhof hatte Helmer, direkt vom Flughafen gekommen, nicht erwartet. "Und das alles wegen mir?", meinte er ein wenig kokett. In der Tat, alles seinetwegen. Herthas neuer Hoffnungsträger wurde im Olympiastadion den Medien präsentiert. Denen tat er bescheiden kund, er freue sich sehr, "dass Hertha an mich dachte". So etwas kommt an.

Natürlich musste er sich auch gleich im neuen Trikot zeigen. Mit der Zahl 34. Vielleicht auch eine Anspielung auf sein Alter. Das betrachtet er nicht als Handikap. Muss er auch nicht. Auf der Libero-Position haben schon Ältere ihren Mann gestanden. Man muss ja nicht an jene Zeit (1974/75) denken, als Karl-Heinz Schnellinger bei Tennis Borussia auf eben dieser Position zur Lachnummer wurde.

Notnagel will und soll Helmer keineswegs sein. "Ein Thomas Helmer kann kein Notnagel sein", sagt Manager Dieter Hoeneß mit Nachdruck. Sogar als Führungsperson wurde Helmer auserkoren. Derzeit, da Spieler wie Kjetil Rekdal und Michael Preetz auf Eis liegen, benötigt Hertha in der Tat einen, der die Zügel in die Hand nimmt. Oder die Jüngeren an die Hand. Dazu freilich muss Helmer mit guten Leistungen vorangehen. Ob er denn körperlich überhaupt fit sei, da er doch in England beim FC Sunderland mehr auf der Reservebank gesessen habe, wurde Helmer gefragt. Lächelnd antwortete Helmer, er habe "keine körperliche Beschwerden." Womit die Frage eben doch ein wenig offen blieb.

Gefragt wurde Helmer auch, was er denn am 16. Oktober mache. Die prompte Antwort: "Mit Hertha gegen FC Bayern spielen." Jenen Tag hat er sich wohl schon rot angestrichen. Den Tag, an dem er seine ganz persönliche Rechnung mit den Münchnern begleichen kann. Der Stachel sitzt tief.

Zweifel, dass er Hertha in der jetzigen vertrackten personellen Situation helfen könne, hat der selbstbewusste Helmer nicht. Wie lange er denn bei Hertha zu bleiben gedenke? Da hielt er sich bedeckt. Sein Haus in England wolle er jedenfalls erst einmal nicht verkaufen. Man weiß ja nie.

Es könnte auch sein, dass Thomas Helmer nicht wie erhofft einschlägt und bei Rückkehr der Rehmer, Rekdal und van Burik kein Bedarf mehr für ihn ist. Das sei vorerst, so Hoeneß, gar kein Thema. Im Dezember könne man darüber reden. Bekanntlich wurde in den bis zum Saisonende laufenden Vertrag die Option beiderseitiger Kündigungs-Möglichkeit zum 31. 12. aufgenommen.

Jürgen Röber ("Schon im letzten Jahr haben wir uns Gedanken über Thomas Helmer gemacht") wird Helmer im "zentralen Bereich der Dreier-Abwehrkette", sprich: als Libero, aufstellen. Kostas Konstantinidis muss dann wohl auf die Manndecker-Position weichen. Die Frage bleibt, was passiert, wenn Rekdal, Rehmer und van Burik wieder fit sind. Doch Röber wird lieber die Qual der Wahl haben wollen als den Jetzt-Zustand.

Vorerst egal für Helmer. Er trottete alsbald hinüber aufs Maifeld, zum ersten Training. Und zum Wiedersehen mit Ali Daei. Fast so eine kleine Bayern-Filiale ist Hertha BSC inzwischen. Nur noch nicht ganz so erfolgreich. Ob es mit Thomas Helmer klappt?

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