Sport : Den letzten Test bestanden

Deutschland schlägt Kolumbien 3:0 und ist bereit für das WM-Eröffnungsspiel

Michael Rosentritt[Mönchengladbach]

Zwischen der Seitenwahl und dem Anpfiff wechselte Michael Ballack noch einmal seine Schuhe. Der Austausch hat sich gelohnt, denn der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft führte sein Team im letzten Test vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft am 9. Juni gegen Costa Rica gestern zu einem 3:0 (2:0) gegen Kolumbien. „Zwei Jahre Aufbauarbeit sind heute zu Ende gegangen. Wir sind zufrieden. Das Wichtigste war, dass wir die zweieinhalb Wochen intensive Vorbereitung positiv abschließen“, sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Michael Ballack wechselte nicht nur die Schuhe, Klinsmanns Mannschaft wechselte im Vergleich zum glücklichen 2:2 gegen Japan am vergangenen Dienstag auch die Taktik. Ballack hatte am Tag zuvor die Vorwärts-Strategie Klinsmanns kritisiert und eine abwartendere Spielweise gefordert. „Es ist meine Aufgabe als Kapitän, so etwas anzusprechen. Wir diskutieren über solche Dinge in der Mannschaft“, sagte Ballack gestern nach dem Spiel. Darauf angesprochen, sagte Klinsmann: „Welche Kritik?“ Es sei völlig normal, dass diskutiert werde.

Der Gegner gestern ließ es zu, dass die Deutschen ihr Spiel bedächtig aufbauen konnten. Die defensiv eingestellten Kolumbianer waren für den letzten Test ausgesucht worden, weil sie in ihrer Spielweise Deutschlands drittem Gruppengegner Ekuador ähneln. Gegen die behäbig auftretenden Südamerikaner konnte die deutsche Mannschaft vor den 45 600 begeisterten Zuschauern in Mönchengladbach üben, Ruhe zu bewahren und geduldig ihre Chance zu suchen.

Die statisch spielenden Kolumbianer, die drei Tage zuvor den deutschen Gruppengegner Polen 2:1 besiegt hatten, übten keinen Druck auf das deutsche Tor aus. Klinsmann bot die Elf auf, die wohl auch am kommenden Freitag gegen Costa Rica beginnen wird. Arne Friedrich verteidigte wieder auf der rechten Seite, Bernd Schneider rückte vor ins Mittelfeld, dafür musste Tim Borowski auf die Bank. Links hinten lief Philipp Lahm zweieinhalb Wochen nach seiner Ellenbogenverletzung mit einer Spezialmanschette anstelle von Marcell Jansen auf.

Michael Ballack spielte wieder im zentralen offensiven Mittelfeld und leitete mit seinen guten Pässen viele Angriffe ein. Dank seiner Präsenz dominierte Deutschland nach einiger Zeit klar, das 1:0 erzielte Ballack selbst. Er köpfte nach zwanzig Minuten eine Freistoßflanke des umtriebigen Bastian Schweinsteiger ein. Zehn Minuten vor der Pause war Schweinsteiger selbst erfolgreich: Er drosch einen Freistoß aus 25 Metern ins Tor. Schweinsteiger hatte auch gegen Japan ein Tor vorbereitet und eines erzielt.

Gegen Ende der ersten Halbzeit drückten die Deutschen aufs Tempo, Schneider mit einem Volleyschuss, zweimal Klose und Podolski vergaben ihre Chance jedoch. Wenn die Kolumbianer überhaupt einmal angriffen, zog sich Ballack ins defensive Mittelfeld neben Torsten Frings zurück. Nach dem Wechsel schonte Klinsmann recht bald Schneider und die beiden Stürmer Klose und Podolski. Für sie kamen Gerald Asamoah, Oliver Neuville und Tim Borowski. Neuville und Borowski zeigten, dass sie zur Zeit die beiden Spieler sind, die am nächsten an der Stammelf sind. Neuville erlief sich einige Chancen, Borowski erzielte mit einem Flachschuss das 3:0.

Der Sieg stand fest, doch nach Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung offenbarte die ansonsten kaum geforderte deutsche Abwehr erneut Unsicherheiten, die beispielsweise nach einer Stunde beinahe zu einem leicht und schnell herausgespielten Tor für die Kolumbianer geführt hätten. Zudem spielte Jens Lehmann einige Male überheblich, als er aus einem Tor herauskam. Einmal legte er dabei sogar direkt für den Gegner vor, doch der Heber von Hugo Rodallega hüpfte am leeren Tor der Deutschen vorbei.

Besonders gestört hat das gestern nicht, am Ende stand das 3:0. Die Nationalspieler haben jetzt zwei freie Tage, ehe sie sich am Montag in ihrem Hauptquartier im Berliner Hotel Schloss Grunewald treffen. Den Fans zeigten sie nach dem Spiel gestern noch ein Spruchband: „Gemeinsam mit Euch. Ein Traum: 9. Juli 2006.“

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