Sport : Den Sieg im Blut

Olympiasieger Tyler Hamilton war wohl gedopt

Mathias Klappenbach

Berlin - Die Spanien-Rundfahrt hatte er schon am vergangenen Freitag aufgegeben, aber das Rennen könnte für die Karriere des Olympiasiegers Tyler Hamilton eine entscheidende Bedeutung bekommen. Der Radsport-Weltverband UCI unterrichtete Hamiltons Team Phonak am Dienstag darüber, dass der US-Amerikaner positiv auf Blutdoping getestet worden ist. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Hamilton bereits bei seinem überraschenden Olympiasieg im Zeitfahren in Athen positiv getestet wurde.

Hamilton, der die Vorwürfe zurückwies und in einer ersten Reaktion von „Manipulation“ sprach, wäre der erste Sportler, dem eine Transfusion mit Fremdblut, das so genannte „Vampir-Doping“, nachgewiesen worden wäre. Bei der Vuelta, die Hamilton wegen einer bei einem Sturz erlittenen Handverletzung aufgegeben hatte, werden erstmals unangemeldete Bluttests durchgeführt. Die positive Probe war dem 33-Jährigen nach seinem Sieg im Zeitfahren auf der achten Etappe entnommen worden.

Seit Beginn des Jahres steht den Kontrolleuren ein in Australien entwickeltes Verfahren zur Verfügung, mit dem Bluttransfusionen nachgewiesen werden können. Mit dieser Dopingart wird die Zahl der sauerstofftransportierenden roten Blutkörperchen durch die Injektion von Fremd- oder auch Eigenblut erhöht. Dieser leistungssteigernde Effekt kann durch die Zugabe des Hormons Epo noch verstärkt werden. Bisher war diese Art des Dopings mit Epo nicht nachweisbar. Wies ein Fahrer einen zu hohen Anteil roter Blutkörperchen (Hämatokritwert) auf, galt dies zwar als Hinweis auf Doping, nicht aber als Beweis. Fahrer mit einem Hämatokritwert von mehr als 50 Prozent konnten lediglich mit einer Schutzsperre aus gesundheitlichen Gründen belegt werden. Würde nun Hamilton mit dem neuen Verfahren überführt, droht ihm die Aberkennung seiner Goldmedaille, eine mehrmonatige Sperre und die Entlassung bei Phonak.

Die Teamleitung bestätigte gestern, dass Hamilton am 19. August in Athen positiv getestet wurde. „Tyler hat uns aber erklärt, dass er keine Transfusionen vorgenommen habe“, sagte Teamsprecher Georges Luedinger. Das Ergebnis der B-Probe von Athen sollte noch am Dienstagabend vorliegen. Das Internationale Olympische Komitee gab keine Stellungnahme ab. „Bei schwebenden Dopingverfahren teilen wir keine Details mit“, sagte eine Sprecherin.

Hamilton, der mit Lance Armstrong befreundet ist und lange in dessen Team US Postal fuhr, steht nun vor dem Ende seiner Karriere. Seine beste Saison hatte er im vergangenen Jahr beim Team CSC, zu dem er 2001 gewechselt war, weil er seine eigene Ambitionen nicht mehr hinter die von Armstrong zurückstellen wollte. Trotz eines Sturzes bei der Tour de France 2003, bei dem er sich schwer an der Schulter verletzte, gewann er eine Bergetappe in den Pyrenäen und sorgte so für die aufsehenerregendste Geschichte dieser Tour neben dem Duell zwischen Jan Ullrich und Armstrong. In Paris war Hamilton als Vierter der Gesamtwertung ins Ziel gekommen und als tragischer Sportheld gefeiert worden.

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