Sport : Denn sie wissen nicht, wie es geht (Glosse)

Ulrich Kaiser

Heute beginnen wir aus aktuellem Anlass mit einem neuen Kurs unter dem Titel "Wie man eine Davis-Cup-Mannschaft kriegt". Es hat sich nämlich so ergeben, dass der entsprechende Sportverband unter seinen knapp zweieinhalb Millionen Mitgliedern nur mit Mühe zwei Spieler nennen kann, die sich gut genug fühlen, das Vaterland demnächst in dieser offiziösen Weltmeisterschaft zu vertreten. Das heißt - korrekterweise muss man sagen, dass es einen einzigen gibt, der sich körperlich gesund genug fühlt, aber der hat leider keine Lust.

Es ist nun keineswegs so, dass die Arbeit für eine Davis-Cup-Mannschaft besonders viel Zeit in Anspruch nimmt. Im schlechtesten Falle sind es zwei Wochenenden im Jahr, im besten Falle können es vier Wochenenden werden. Außerdem wird der Dienst an dem erwähnten Vaterland nicht schlecht honoriert: Selbst die an ordentliche Beträge gewöhnten Tennisspieler erhalten nicht jeden Sonntagabend einen Scheck über runde zweihunderttausend Mark plus Erfolgsprämien. Das Geld ist in der Vergangenheit manchmal in bar und in Plastiktüten gezahlt worden - ein Brauch, der sich auch auf anderen Gebieten des täglichen Lebens durchsetzte, wie man täglich erfährt. Heute werden richtige Banküberweisungen vorgenommen, die leichter zu verbuchen sind und leider auch richtig versteuert werden müssen. Tennisspieler unterliegen hier ähnlichen Steuergesetzen wie Seiltänzer, Feuerschlucker oder Autoren.

Unglücklicherweise ist da einiges ein bisschen dumm gelaufen, wobei man darauf hinweisen muss, dass dieser größte Tennisverband der Welt zwar keine zwei Spieler zur nationalen Vertretung zu nominieren vermag, aber dafür im Lauf der vergangenen zwölf Monate immerhin bereits drei Präsidenten, drei Schatzmeister und drei Sportwarte präsentierte - gar nicht zu reden von sogenannten Teamchefs. Eine in der Welt einmalige Konstellation: Wo hat man schon mehr Präsidenten als Nationalspieler?!

Da es aber auch im Tennis zumindest unüblich ist, dass Vize- und richtige Präsidenten in die Nationalmannschaft kommen, ist guter Rat teuer. In der Praxis sieht es nämlich so aus, dass der Verband dafür verantwortlich gemacht wird, dass er erstklassige Spieler heranbildet, die dann - wenn sie wirklich erstklassig geworden sind - als professionelle Alleinunterhalter von diesem Verband nichts mehr wissen wollen. Wenn der Verband diese Spieler dann im Jahr ein paarmal ein Wochenende benötigt, darf er sie eventuell im nicht gerade preiswerten Leasing-Verfahren verpflichten - vorausgesetzt, die Spieler signalisieren, dass sie wollen. Es wäre gar nicht so unlogisch, wenn die knapp zweieinhalb Millionen Mitglieder im Tennisverband eines Tages auf die Barrikaden klettern: Schließlich ist der Verband ja für sie gegründet worden und wird auch von ihren Beiträgen finanziert - und nicht für die Handvoll Supermänner und -frauen, die mit dem normalen Tennisverein am Ortsrand nichts zu tun haben.

Nach all den Überlegungen bleibt die Erkenntnis: Was die Herstellung einer Davispokal-Mannschaft anbetrifft, so geht es uns genauso wie den Verantwortlichen im Tennisverband. Es muss da irgendwo ein logischer Trugschluss sein - denn wir wissen nicht, wie es geht.

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