Sport : Depp und Held

Kati Wilhelm verschießt in der Staffel Silber und rettet die WM-Bronzemedaille

Helen Ruwald

Oberhof. Staffelläuferin Katrin Apel drückte es vor dem Rennen drastisch aus: „Als Letzte bist du der Depp oder der Held.“ Je nachdem eben, ob die Schlussläuferin einen Vorsprung verspielt oder den Rückstand noch aufholt. Die Thüringerin war froh, dass beim Staffellauf der Frauen über 4 x 6 Kilometer bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Oberhof nicht sie, sondern Kati Wilhelm die letzte Läuferin war. „Als Letzte braucht man Kaltschnäuzigkeit, das passt mehr zu Kati“, meinte sie noch am Mittwoch. Doch sie irrte. Deutschlands Staffel lag an zweiter Stelle, als Wilhelm ins Rennen ging. Doch sie war „sehr nervös“, musste sechsmal nachladen, eine Strafrunde drehen und am Ende sogar um Bronze bangen. Martina Glagow, Katrin Apel, Simone Denkinger und Kati Wilhelm wurden nach anfänglicher Führung mit zwei Strafrunden nur Dritte. 1:08 Minuten lagen die Deutschen hinter den Siegerinnen aus Norwegen, rund zehn Sekunden hinter dem Zweiten Russland und zwölf Sekunden vor dem Vierten Weißrussland. Bei Deutschland fehlte die mehrfache Staffelweltmeisterin Uschi Disl, die nach überstandener Krankheit noch nicht fit war.

Der Rückstand auf Norwegen betrug beim letzten Wechsel von Denkinger auf Wilhelm 23 Sekunden. Vor Kati Wilhelm lief die zweifache Weltmeisterin Liv Grete Poiree. Doch der Star der WM musste zweimal nachladen. In der Staffel haben die Läuferinnen drei Ersatzpartronen, erst wenn sie mit insgesamt acht Schüssen die fünf Scheiben nicht getroffen haben, müssen sie in die Strafrunde. Doch auch Wilhelm verfehlte liegend zweimal das Ziel und brauchte beim Nachladen alle drei Ersatzpatronen auf. Zeit genug für die Russin Albina Achatowa, um an Wilhelm vorbeizuziehen. Deutschland fiel auf Rang drei zurück. Poiree musste beim abschließenden Stehendschießen zwar sogar eine Strafrunde laufen, doch die Konkurrentinnen konnten die Situation erneut nicht nutzen. Wilhelm und Achatowa standen gleichzeitig am Schießstand, doch auch die Deutsche musste in die Strafrunde. Silber war verloren, nun griff auch die Weißrussin Olena Zubrilowa an. Mit einer starken letzten Runde sicherte Wilhelm Bronze. „Ich dachte, ich könnte Liv Grete Poiree näher kommen. Ich habe vielleicht zu viel riskiert“, sagte Wilhelm, „jetzt bin ich glücklich über Bronze.“

Anfangs hatte es so ausgesehen, als könnte es sogar Gold werden. Startläuferin Martina Glagow traf sowohl beim Liegend- als auch beim Stehendschießen in hohem Tempo alle fünf Scheiben und kam mit einem Vorsprung von 20,4 Sekunden vor der Weißrussin Ekaterina Iwanowa ins Ziel. „Ich bin sonst nie nervös, aber heute war ich schon aufgeregt. Der Druck vor eigenem Publikum war groß", bekannte Glagow.

Nach ihr ging Katrin Apel ins Rennen, die vorher gesagt hatte, „uns ist klar, dass wir favorisiert sind“. Bei der WM 2003 in Chanty Mansijsk waren die Deutschen Dritte geworden, hatten aber in den Jahren zuvor mehrfach den WM-Titel geholt und auch das Weltcuprennen im Januar in Ruhpolding gewonnen – mit Wilhelm als Schlussläuferin. Apel vergrößerte den Vorsprung auf 27 Sekunden - zunächst. Nach einer Strafrunde hatte sie im Ziel 10,9 Sekunden Rückstand auf Norwegen. „Ich habe mich auf der Strecke etwas übernommen. Beim zweiten Schießen haben mir ab dem dritten Schuss die Beine gezittert“, sagte Apel. Bundestrainer Uwe Müssiggang glaubte nach der Hälfte des Rennens noch nicht an eine Vorentscheidung. Die Aufholjagd von Simone Denkinger schien ihm Recht zu geben. Das erste Schießen beendete sie fehlerlos, beim zweiten lud sie einmal nach, der Rückstand auf Norwegen wuchs. Dann kam Kati Wilhelm. Und Deutschlands Frauen warten nach vier von fünf Rennen weiter auf den ersten Titel bei dieser WM.

Den hat Ricco Groß bei den Männern schon gewonnen. Heute kann er es gemeinsam mit Sven Fischer, Michael Greis und Frank Luck in der Staffel erneut besser machen als die Frauen.

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