Depression und Sport : Robert Enke: Jugendjahre im Umbruch

Im November 2009 schockierte Robert Enkes Freitod das Land. Depressionen hatten den Nationaltorwart aus dem Leben getrieben. Nun wird seine Biografie erforscht. Erstmals fällt ein Blick auf die Anfänge zu DDR- und Wende-Zeiten in Jena.

Ines Geipel
Der Rasen war sein Feld. Robert Enke, hier bei seinem Heimatverein FC Carl Zeiss Jena. Foto: Imago
Der Rasen war sein Feld. Robert Enke, hier bei seinem Heimatverein FC Carl Zeiss Jena.Foto: Imago

Ein kleiner, blonder Junge knallt mit einem Ball in der Hand eine Gartentür hinter sich zu, seppelt über einen schmalen Wiesenweg und stürmt über ein abschüssiges Feld zum sogenannten Windknollen. Der Ort heißt Cospeda, liegt fünf Kilometer von Jena entfernt und war Anfang der achtziger Jahre Idylle und Legende zugleich. Napoleon hatte sich einst den Windknollen als Befehlspunkt für die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt im Jahre 1806 ausgesucht. Robert Enke – im August 1977 in Jena geboren und an den Wochenenden zumeist auf dem elterlichen Grundstück in Cospeda – dürfte dem Historienrummel des Ortes kaum entkommen sein. Regelmäßig im Oktober fanden bunte Kostümfeste statt, wurde die große Schlacht minutiös nachgestellt, saßen in der Dorfkneipe richtige Franzosen, die so eisern wie stolz auf den Sieg ihres Kaisers tranken. Für das Kind, jüngstes von drei Geschwistern, war Napoleons Kriegsplateau jedoch in erster Linie ein riesiger Bolzplatz.

Die drei Meter Abstand zwischen einem alten Apfelbaum und einem Pflaumenbaum im Garten wurden von Vater Dirk Enke und Sohn Robert zum Tor erklärt. Hier fand das erste Spiel statt: Fünf Schüsse vom Sohn, dann kam der notorische Wechsel. Bis der Ballenthusiast acht Jahre alt war, ließ der Vater ihn gewinnen. Ab da verkehrten sich die Verhältnisse. Historienfelder in Mehrfachbelegung, eine Vater-Sohn-Liebe, weites Höhenland, ein unendlicher Himmel, viel Stille – war ein weitläufigerer Übungsplatz als Urobjekt für Robert Enke, waren mehr Weite und Freiheit, überhaupt denkbar?

1983 kam der Steppke in Neulobeda- Ost, einer Anfang der siebziger Jahre hochgezogenen Plattenbau-Satellitenstadt direkt an der Autobahn, zur Schule. Schon ein Jahr später spielte er in der Betriebssportgemeinschaft Jenapharm, als Feldspieler und Torwart. Mit Robert Enke war in die Sportgemeinschaft ein Ausnahmetalent gekommen, das explosiv, ballsicher, feinnervig und von Beginn an strategisch versiert zur Sache ging. Sowohl die Mutter Gisela Enke als auch der Vater waren Leichtathleten. Dirk Enke gehörte als 400-Meter-Hürdenläufer zur Leichathletik-Crew des Sportclubs Motor Jena. Zur Familiengeschichte gehört, dass sich der Vater 1964 für die Olympischen Spiele in Tokio und damit für die letzte gesamtdeutsche Mannschaft aussichtsreich empfohlen hatte, doch gab es ein Problem: Sein Bruder Bernd war kurz vor dem Mauerbau in den Westen geflohen. Dirk Enke wurde daraufhin aus dem Kader ausdelegiert. Zwar lief er noch bis 1971 seine Stadionrunden, auch unter unwissentlichem Einsatz des anabolen Steroids Oral Turinabol, doch die Ideologen hatten seine sportliche Karriere unabwendbar entschieden. Als die Scouts des DDR-Oberligisten Carl Zeiss Jena zwanzig Jahre später auf Robert Enke aufmerksam wurden, spielte beim entschiedenen Ja des Sohnes für eine Fußball-Karriere dieses Stück unerlöster Vatergeschichte keine unwesentliche Rolle.

Dem Jungen gehörten die wilden Nachmittage mit dem Vater im Cospedaer Oberfeld immer seltener. Wie alle Kinder hatte er Ferienspiele, Schulgarten, Patenbrigade, Pioniernachmittage und schleppte sein liebstes Plüschtier mit ins Klassenzimmer, für die Freiheit in Nicaragua. Im Fach Heimatkunde stand die Lehrerin mit einem Stapel Postkarten in der Hand und zeigte eine angegilbte, aber äußerlich heile Welt: Schwerin mit dem Schloss, Magdeburg mit Mähdreschern in der Börde, Dresden mit Zwinger, Erfurt im IGA-Blumenmeer. Nur von Berlin hatte sie nichts. Robert Enke traf sich nachmittags mit seinen Kumpels meist auf dem großen Wäscheplatz zwischen zweiter und dritter Kaufhalle in Neulobeda-Ost und kickte bis in den Abend hinein. Wenn nicht, trainierte er im Verein, der zum Mittelpunkt seines Lebens wurde. Die Mannschaft des FC Carl Zeiss Jena war zu dem Zeitpunkt ein absoluter Publikumsmagnet. Für sie galt der Nimbus, den westlichsten Stil im Osten zu spielen und zugleich einer der großen Angstgegner des Ost-Berliner Schiebermeisters BFC Dynamo zu sein.

Im Europapokal gelang es den Blau- Gelb-Weißen, Starteams wie AS Rom, FC Valencia oder Altmeister Benfica Lissabon fürchterlich alt aussehen zu lassen. In der Saison 1980/1981 schaffte es erst der Kompaktaufmarsch von Dinamo Tiflis im windigen Düsseldorfer Endspiel, die Jenaer zu stoppen. Zu Hause wurden die Verlierer wie Helden begrüßt.

Fußball im Osten war immer ein bisschen Ausgang vom Alltag. An den Jenaer Spieltagen strömten die Massen ins Stadion. Der örtliche Nahverkehr wurde durch eine Armada Sonderbusse minutiös auf die wenigen Stunden eingestellt. Stadion und Gelände waren liebevoll auf Vordermann gebracht worden. Die Fahnen am Eingang erzählten etwas vom leichten Rückenwind für die heimische Mannschaft. Ausnahmsweise klappte sogar mal die Versorgung. Es gab Bier und Würstchen, für die Kinder Eis. Die Leute standen an den Buden, witzelten über die Aufstellung des Gegners oder schlenderten nur vorbei und grüßten knapp. Stunden als Ritual und Ventil zugleich.

Denn die frühen Samstagabende, wenn sich die Fans nach dem Ende der Oberliga vor den Fernsehern sortierten, waren immer ein Stück gefühlte DDR. In dieser Zeit vor dem „Sandmännchen“ konnte jeder seine Wut über die lancierten Dauersiege der beiden Polizeisportvereine – BFC Dynamo und Dynamo Dresden – in den Fernseher hineinbrüllen. In jedem Fall schien geklärt: Wer hier das Spiel gewann oder verlor, war letzten Endes niemand anderes als die eigene Seele. Auch deshalb ging es völlig in Ordnung, wenn die Jungs aus dem Jenaer Paradies ab Mitte der achtziger Jahre mehr und mehr an Boden verloren. Es passte. Das Land tat es ja auch.

Man könnte das Jenaer Mannschaftsherz als erweitertes Startkapital von Robert Enke sehen. Ein Kraftfeld, das ihn wie selbstverständlich in einen – nur in diesen Jahren so möglichen – Spielcharakter einnordete; einen Stil aus Spielwut, Widerborstigkeit, robuster Vorteilsnahme und sympathischem Understatement. Das zumindest bekam man auf dem Spielfeld zu sehen, dafür wurde die Mannschaft auf Händen getragen. Wenn die Jugendmannschaft ihre Aufwärmrunden im großen Stadion drehte, tummelten sich da auch die Spielerstars. Mit ihnen konnte man in der Laufhalle erschöpft auf den Schaummatten herumliegen, sich Tricks und Finten abgucken. Die sogenannten Trippelschlaufen, die jede Trainingseinheit eröffneten und beendeten. Wenn der Junge mit dem Ball nun regelmäßig seine Aufwärmrunden drehte, zeigte sich mit jedem Kreiseln ein anderer Ausschnitt der Stadt: Bilder, die etwas einsammelten, was nie Sprache zu werden brauchte, weil es das ist, was man das Zuhause nennt.

Da waren die Kalkberge, die rauchenden Schlote im Zentrum, die „Keksrolle“, wie der silberfarbene Universitätsturm auch genannt wurde. Die eigenartige Kessellage der Stadt schob die Dinge dicht zusammen. Man sah immerzu alles. Eine Welt auf Sicht- und Fühlnähe: Jena und die uralte Universität mit ihren 20 000 Studenten. Die Stadt von Hegel, Schiller, der Frühromantiker und dem Bauhaus. Eine Stadt der schlechten Luft und des permanenten Notstands. Leere Gemüseläden, Schlangen beim Fleischer, kaputte Straßen, fehlende Ärzte, ausgefegte Kaufhäuser, mangelnder Wohnraum, rappelvolle Busse nach Neulobeda-Ost und Neulobeda-West. Eine Stadt, die immerzu aus den Nähten platzte und zugleich nach innen implodierte. Denn Jena, das waren vor allem die Carl-Zeiss-Werke, mit mehr als 60 000 Mitarbeitern das größte Kombinat der DDR. Die Stadt im Kessel als eigenwilliger Nukleus der Werkzeuge und Gedanken und damit Ballungsraum eines speziellen Sozialismus-Tunings, das auch eine denkwürdige Ausprägung von Industriesport zuwege brachte.

Im Herbst 1989 war Robert Enke zwölf Jahre alt. Er wohnte weiterhin mit Eltern und Geschwistern in Neulobeda-Ost. Gleichzeitig ging er ab der siebten Klasse ins Sportgymnasium in der Wöllnitzer Straße. Für „Heimschläfer“ wie ihn hielt man im Internat zwei Zimmer bereit, mit Doppelstock- und Einzelbett, Waschecke, drei Schränken und drei Regalen, die sie für die Pausen zwischen Schule und Training, die Stunde „Abmatten“ am Mittag, den Klamottenwechsel zur Sauna oder ins Erholungsbecken nutzen konnten.

Viele ehemalige Mitschüler berichten, dass Robert Enke Anfang der neunziger Jahre aus dem Zeitloch herausragte wie ein Leuchtturm, dass er gemocht und verehrt wurde, weil er sein Ding machte, immer Leistung brachte, wenn es drauf ankam, nicht groß rumredete oder sich von den Unruhen der Zeit gar beirren ließ. Robert Gierke, einer seiner engsten Jugendfreunde, der mit ihm zehn Jahre lang Fußball spielte und in dieselbe Klasse ging, erinnert sich an den unbekümmerten und häufig schelmischen Robert Enke. „Er hat oft Witze erzählt, viel Blödsinn gemacht. Er konnte gut reden und hatte Lust zu improvisieren. Wenn er seine Hausaufgaben mal nicht gemacht hatte, saugte er sich was aus den Fingern, bis der Lehrer lachte. Dann hielt er kurz inne, lachte mit und sagte einfach: Na, das war jetzt wohl nichts.“ Wenn Robert Gierke über den Freund spricht, dann suchend und mit Bedacht. Sind die Bilder für beider Freundschaft richtig, stimmen die Lebensdetails, ist der Blick genau genug? „Er war ein Allround-Sportler. Der beste Volleyballer, der beste Basketballer, der beste Sprinter, der beste Springer, auch ein sehr guter Schwimmer. Er war beweglich, schnell, hatte ein unglaublich gutes Körpergefühl. Seine wirkliche Leidenschaft aber galt immer dem Fußball. Da wollte er hin.“

Abschied von einem Jenaer. Am 15. November 2009 trauerten Freunde, Wegbegleiter und Fußballfans in einer bewegenden Gedenkfeier in Hannover um Robert Enke. Foto: dpa
Abschied von einem Jenaer. Am 15. November 2009 trauerten Freunde, Wegbegleiter und Fußballfans in einer bewegenden Gedenkfeier in...Foto: dpa

Doch so rundum gesichert waren Fußballkosmos und Schule bald nicht mehr. Welche Trainer würden bleiben? Was wurde aus dem Fußballklub? Welche Lehrer durften weiter unterrichten? Als Staatsbürgerkunde- und Geschichtslehrer verschwanden, fingen die höchst disziplinierten Sportschüler auf den Internatszimmern endlich auch an zu diskutieren. Ende 1989 fanden die letzten Appelle statt, irgendwann gab es den Leistungsauftrag mit Urkunde nicht mehr, die jährlichen Reihenuntersuchungen blieben aus. Und bald schon wurde die Kinder- und Jugendsportschule „Werner John“ umbenannt. Anfang der neunziger Jahre war sie schwer in Misskredit geraten. Das Wort Kinderdoping stand im Raum. Die Staatsanwaltschaft in Erfurt ermittelte.

Die Geschäftstüchtigeren unter Jenas Stasi-Sportleuten suchten in dieser fragilen Zeit ihre Pfründe zu sichern und bauten sich unter anderem private Fitnessstudios auf. Da sie im Sport angestellt waren, bezahlte der sie weiter. Ihre unbetreuten, orientierungslosen Athleten trafen sich im Stadion, allein. Sie trainierten sich gegenseitig, so gut sie konnten. Die Herren der alten Macht waren unter Hochdruck dabei, sich im neuen Leben einzufädeln.

Die Sprinterin und Sportschülerin Yvette Arenas, ein Jahr älter als Robert Enke, erzählt über diese Umbruchsjahre: „Es war ein Problem der Selbstmotivation. Waren die Technikläufe richtig, obwohl sie niemand anschaute? Würde der Trainer zum Wettkampf kommen, obwohl man ihn schon eine Weile nicht gesehen hatte? Man wusste es nicht, wusste nicht, wie der nächste Tag aussah, wie es überhaupt weitergehen sollte. Ich hatte oft keine Lust mehr aufs Training und machte trotzdem weiter. Wo hätte ich so schnell auch hingekonnt?“ Eine unbehauste Zeit, wo manches Talent zwischen die Fronten geriet. Wie sollte das auch alles gehen? Unter dem Druck der Verhältnisse begann die Sportschule in der Wöllnitzer Straße umzusatteln, stellte die schulische Leistung demonstrativ vor den sportlichen Erfolg. „Der Rhythmus der Schule veränderte sich“, sagt Yvette Arenas. „Viele Schüler kamen nun von außerhalb. Es gab Leistungsklassen, das Punktesystem, wir machten das hessische Abitur. Aber niemand wusste wirklich damit umzugehen.“ Für die Schüler eine doppelt prekäre Situation: Einerseits mussten sie das Schweigen und die Anpassungsmentalität der ostdeutschen Lehrer aushalten; andererseits galten mit einem Mal die Ansprüche der westdeutschen Leistungsschule, die es auf „funktionale Intelligenz“ absah.

Läuft man in der Schule, in der Robert Enke sein Abitur gemacht hat (heute natürlich wieder stolze „Eliteschule des Sports“), durch die Flure und betrachtet die an den Wänden präsentierte Geschichte, erzählt sie sich als eine einzige Erfolgsstory, die Mitte der fünfziger Jahre endet und Mitte der neunziger Jahre neu einsetzt. Über die belastete Geschichte der Schule und des DDR-Sports in den Jahren dazwischen findet sich kein Wort.

Die Frage bleibt, wie ein mittlerweile vierzehn- oder fünfzehnjähriges Supertalent über diese historische Leerstelle hinwegkam. Wenn es richtig ist, dass der Blick eines Heranwachsenden in erster Linie vom Küchentisch aus geprägt wird, dürfte Robert Enke im Herbst 1989 weniger der politische Vater weggebrochen sein. Der Junge mit dem Ball lief vermutlich sicherer über die hinfällige Stahlbrücke vom Internat zum Stadion, weil er davon ausgehen konnte, dass sie für ihn echten Landgewinn bedeutete. Dennoch dürfte er gespürt haben, dass sich insbesondere für den Vater nach 1989 die Dinge zurechtrückten und ein Neuanfang anstand. Dirk Enke begann ab 1990 eine zeitintensive Ausbildung als Psychoanalytiker, die ihm zu DDR-Zeiten verwehrt worden war. Auch privat orientierte er sich noch einmal neu. Als Robert Enke sechzehn Jahre alt war, saß der Vater eines Abends auf der Couch im Wohnzimmer und erklärte Frau und Kindern, dass sein Leben eine andere Richtung genommen habe und er sie verlassen werde. Als er die Sätze des Vaters hörte, sprang der Jüngste auf und stürmte aus der Wohnung. Stundenlang stromerte er durch die unwirtlichen Straßen von Neulobeda-Ost, bis ihn sein Bruder Gunnar, dem er sich immer nah fühlte, aufgabelte und in die neuen Verhältnisse zurückbrachte. Auch Leuchttürme stehen im Wind.

Robert Enke lebte von nun an bei der Mutter, mit Sehnsucht nach dem Vater und mit dem, was man unter der inneren Schuldbewegung eines Kindes versteht, das die Trennung seiner Eltern nicht hatte verhindern können. Dabei gelang es dem Ausnahmetalent Robert Enke, sich trotz – oder aufgrund – des erst einmal wegbrechenden Familienbodens, zu konzentrieren. Noch vor seinem Abitur 1996 debütierte er mit 17 Jahren in der Zweitligamannschaft des FC Carl Zeiss Jena und war damit der jüngste deutsche Torhüter mit Profistatus. Sein erstes Spiel fand am 11. November 1995 statt, gegen seinen späteren Verein Hannover 96.

Der Osten erlebte in diesen Jahren absolute Scout-Zeiten. Fußballmanager wie Reiner Calmund zogen auf der Suche nach den vielbeschworenen „Vereinigungseffekten“ durch die Stadien und zeigten sich in Kauflaune. Würde Robert Enke dazugehören? War er einer für die Bundesliga? Die Fotos aus dieser Zeit erzählen vom Heißhunger eines Jungsporns, als wolle er sagen: Klar, das Spielfeld ist grün und so unverändert wie immer, aber die Spielregeln sind neu: Karriere, Geld, warum nicht die globale Arena? Es sind Bilder, die von der geballten Energie eines Achtzehnjährigen erzählen, von diesem: Ich will, ich kann, ich muss. Es sind Bilder mit jenem Selbstverbesserungsausdruck, den wohl nur diese Lebensjahre kennen.

„Schon in jungen Jahren hatte er klare Ziele vor Augen“, sagt der frühere Stürmer Heiko Weber, damals Mannschaftskollege, später Sportdirektor bei Carl Zeiss Jena. „Enke wurde ein Profi, wie er im Buche steht“, sagt Trainer Friedel Rausch, der ihn erstmals in der Bundesliga einsetzte. Das war 1998. Zwei Jahre zuvor war Robert Enke als Neunzehnjähriger von Borussia Mönchengladbach verpflichtet worden. Er verließ Jena, seine Heimat.

Als einer der Jüngsten aus dem Osten startete Enke eine Profikarriere im Westen und kam dabei nicht allein. Noch in der Abiturklasse am Jenaer Sportgymnasium hatte er die Moderne Fünfkämpferin Teresa Reim kennen gelernt. Sie stammte aus einer fränkischen Lehrerfamilie und war Mitte der neunziger Jahre nach Jena gekommen. Sie verliebten sich und heirateten im Jahr 2000 in Mönchengladbach.

Ines Geipel war Sprinterin und ist Vertreterin der DDR-Dopingopfer. Der Text ist ein Vorabdruck aus ihrem Buch „Seelenriss – Depression und Leistungsdruck“, das am 22. 9. erscheint. Der Tod von Robert Enke hat eine gesellschaftliche Debatte über Depressionen ausgelöst. Mehrere Bücher widmen sich in diesem Herbst dem Thema. Mitte September erscheint die Biografie des Sportjournalisten und Schriftstellers Ronald Reng mit dem Titel „Robert Enke: Die Angst des Tormanns und das Leben“. Außerdem wird der Bestseller des Tagesspiegel-Sportredakteurs Michael Rosentritt neu aufgelegt. Sein Taschenbuch „Sebastian Deisler. Zurück ins Leben“ erscheint Anfang Oktober.

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben