DER  2. SPIELTAG : Live aus dem Stadion

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Wenn ein Messias benötigt wird, ist das doch immer ein dramatisches Alarmsignal. In Hamburg haben sie jetzt Rafael van der Vaart zurückgeholt, heimgeholt ist wohl ein wenig zu euphemistisch formuliert. Und der soll’s nun richten. Aber was? Die Saison ist gerade mal eine Woche alt, und der HSV wird hektisch und lässt einen Milliardär den Heilsbringer kaufen. Nicht, dass ich glaube, sie hätten sich mit den Verpflichtungen der vergangenen Woche verschlechtert. Das sicher nicht, aber Planung sieht anders aus. Wo ist der Plan des HSV, rauszukommen aus dem unteren Mittelmaß, oder muss man schon sagen: aus der Abstiegsgefahr?

Und nun haben sie auch noch das Problem des Sportdirektors Frank Arnesen, der mal einen Ruf wie Donnerhall hatte und nun doch sehr geschwächt erscheint, weil er am Transfer van der Vaarts wohl nicht allzu sehr beteiligt, ja, sogar dagegen war. Man kann seine Skepsis teilen, van der Vaarts größter Verdienst für den HSV war bislang, dass seine Gattin sehr stark medial vertreten war und dem HSV damit so etwas wie Glamour schenkte. Aber das stärkt Arnesen nicht, im Gegenteil.

Es war zu lesen, dass der HSV mit seinen Verpflichtungen in nahezu letzter Sekunde wieder an Europas Fleischtöpfen knabbert, mindestens die Europa League erreicht. Sie wären gut beraten, zunächst einmal ganz kleine Brötchen zu backen, sich einfach mal zu besinnen, nur ein Fußballklub zu sein, der mal eine große Vergangenheit hatte, die aber vergangen ist.

Beim gestrigen Gegner Werder Bremen haben sie das offensichtlich begriffen. Nämlich, dass sie kein Dauerabo besitzen auf die Champions League, dass Dortmund und Schalke an ihnen vorbeigezogen sind, dass sie eben besagte kleinere Brötchen backen müssen als in den vergangenen Jahren. Das verlorene Spiel in Bremen ist ohne van der Vaart kein Maßstab. Aber ein einziger Messias ist im Fußball auf jeden Fall niemals ein Heilsbringer.

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