Sport : Der Abend der netten Worte

Die Schweiz besiegt Albanien und schielt Richtung EM-Endrunde

Christoph Kieslich

Genf. Die Dankbarkeit sprudelte aus Jakob Kuhn heraus. Große Dienste hätten die Albaner der Schweiz geleistet, sagte der Nationaltrainer. Den Iren hatten sie in der EM-Qualifikationsgruppe 10 zwei Punkte abgeknöpft, den favorisierten Russen sogar drei. Und am Mittwochabend in Genf überließen sie den Gastgebern großzügig den Sieg – das hätte der Schweizer Nationaltrainer auch sagen können. Doch auf den Stil und den künstlerischen Wert kam es diesmal nicht an. Mit dem 3:2-Erfolg ist die Schweiz einer zweiten Europameisterschafts-Endrunde so nahe wie 1996 in England.

Selbst wenn die Schweiz ihr letztes Auswärtsspiel im September beim Gruppendritten Russland verlieren sollte, wird sie es am 11. Oktober in Basel gegen Irland selbst in der Hand haben, die Qualifikation für die EM zu schaffen. Der Basler Stürmer Hakan Yakin, mit drei Vorlagen zu den drei Schweizer Treffern der Matchwinner, wollte sich nicht mehr allzu große Zurückhaltung auferlegen: „Damit sind wir dem Ziel ein großes Stück näher gekommen.“

Weil es der Abend der Komplimente war, sprach der Schweizer Trainer Kuhn später von „zwei ebenbürtigen Mannschaften“, und sein auf albanischer Seite arbeitender Kollege Hans-Peter Briegel nannte die Schweiz zum wiederholten Male „das beste Team in der Gruppe, dabei bleibe ich“. Ja, zumindest in dieser Qualifikationsgruppe 10 sind sich die Kleinen und die Großen doch sehr nahe gekommen. Das wird auch dadurch deutlich, dass die Albaner, die am Samstag erst in der Nachspielzeit unglücklich den Iren unterlegen waren, mit einem Sieg gegen die Schweiz noch ein ernsthafter Anwärter auf die EM-Endrunde gewesen wären. Angefeuert von einer tausendfachen Anhängerschaft, die aus der ganzen Schweiz und Süddeutschland angereist war, fehlte den Albanern aber im Angriff die Durchschlagskraft.

Altin Rraklli, nach einer Stunde eingewechselt, aber ebenfalls ohne echte Torchance, machte das Problem eher weiter hinten aus: „Wir bekommen zu einfache Gegentore. Damit machen wir es uns selbst schwer.“ Der knapp 33-jährige Rraklli, der nach Stationen beim SC Freiburg, Hertha BSC und Unterhaching einen unbefriedigenden Abstecher zu Istanbulspor in der Türkei hinter sich hat, würde gerne noch einmal in die Erste oder Zweite Bundesliga zurückkehren. In der Nationalmannschaft hat der Stürmer, mit 52 Einsätzen erfahrenster Feldspieler, für sich jedenfalls wieder die Vorzüge des Fußballs deutscher Prägung schätzen gelernt: „Trainer Briegel tut uns gut, weil er vor allem auf dem Spielfeld für eine gewisse Disziplin gesorgt hat.“ Die Taktik ist nach einem klaren 3-5-2 ausgerichtet, und vor allem die Mittelfeldachse mit den Bundesligaprofis Altin Lala (Hannover 96) und Ervin Skela (Frankfurt) genügt auch höheren Ansprüchen.

„Albanien ist auf einem guten Weg“, lobte Hans-Peter Briegel zum Schluss noch ein wenig seine eigene Arbeit und kündigte unbescheiden an: „Diese Mannschaft wird noch für Furore sorgen.“

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