Sport : Der Alte ist schon weg, ein Neuer ist schon da

Ein Tag bei Hertha BSC: Stürmer Nando Rafael unterschreibt in Gladbach, in einem Berliner Hotel wartet sein Nachfolger Christian

Michael Rosentritt,Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Gestern, 19.27 Uhr im Dorint- Hotel am Tiergarten. Die Fahrstuhltür öffnet sich – da steht er: Christian Correa Dionisio, kurz Christian. Er lächelt verlegen, seine Zahnspange ist zu sehen. Ob er der neue Stürmer von Hertha BSC ist? Christian zuckt mit den Achseln. „Ich mag diese Stadt“, sagt er in gebrochenem Englisch. Wirklich überzeugt von einem Transfer zum Fußball-Bundesligisten klingt der Stürmer vom FC São Paulo noch nicht. Über seine fußballerischen Perspektive in Berlin will er am liebsten kein Wort verlieren. Einen Vertrag unterschrieben hat der 1,86 Meter große und 83 Kilogramm schwere Angreifer bis zum späten Montagabend nicht.

Die Zukunft des Brasilianers ist eng mit der von Nando Rafael verknüpft, der bislang Stürmer von Hertha BSC ist. Bleibt Rafael in Berlin, wird Hertha Christian nicht unter Vertrag nehmen. Verlässt Rafael aber den Klub und wechselt noch vor dem Ende der Transferperiode heute um Mitternacht zu Borussia Mönchengladbach, dann wird Hertha BSC innerhalb eines Tages einen neuen Angreifer brauchen. „Für diesen Fall haben wir mehrere Optionen“, sagt Dieter Hoeneß, der Manager des Vereins. Christian sei nur eine davon.

Der 30 Jahre alte Christian spielte bereits für elf Klubs, darunter Galatasaray Istanbul und Paris St. Germain. „In den zwei Jahren in Paris hat es mir am besten gefallen“, sagt er. Weshalb er so häufig die Vereine gewechselt hat, sagt er nicht. Der Stürmer durfte sogar schon elf Mal im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft auflaufen, unter anderem beim Confed-Cup 1999 in Mexiko.

Christian wird darauf hoffen müssen, dass Nando Rafael Hertha noch verlassen darf. Der 22-Jährige Rafael, seit August 2002 in Berlin, hat mit Hertha einen gültigen Vertrag bis zum Ende der laufenden Saison, will aber nach Mönchengladbach wechseln. Ein vorzeitiger Transfer Rafaels würde dem verschuldeten Klub Hertha finanziellen Spielraum geben. Die Berliner drücken rund 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten.

Sören Lerby glaubt indes nicht, dass es zum vorzeitigen Wechsel Nando Rafaels kommen wird. „Hertha will Nando bis zum Sommer halten. Die Tendenz geht dahin, dass Nando in Berlin bleibt“, sagte der Berater von Nando Rafael gestern Abend dem Tagesspiegel. Eine endgültige Entscheidung darüber werde jedoch erst am heutigen Dienstag fallen. Ein Funktionär aus Mönchengladbach glaubt, dass Hertha nur vortäuscht, Rafael behalten zu wollen, um mehr Geld für ihn herauszuschlagen.

Nando Rafael, Lerby und Gladbachs Manager Peter Pander hatten sich gestern in Mönchengladbach getroffen, um Vertragsverhandlungen zu führen. „Wir haben Rafael ab Sommer für drei Jahre unter Vertrag genommen“, sagte Peter Pander am Abend. Kontakt zu Nando Rafael hätte er bereits vor einigen Wochen aufgenommen. Wie zu erfahren war, soll Manager Dieter Hoeneß Ende der vergangenen Woche über das Abwanderungsbegehren Nando Rafaels informiert worden sein. Am vergangenen Samstag zum Rückrundenauftakt gegen Hannover 96 stand Rafael überraschend nicht im 18-köpfigen Kader. Hertha BSC begründete dies offiziell mit schwachen Trainingsleistungen des Angreifers. Nando Rafael selbst war gestern nicht zu erreichen.

Von der Personalie Nando Rafael hängt neben Christian kurioserweise auch das Schicksal eines weiteren Stürmers ab: Der tschechische Angreifer Vaclav Sverkos hatte Mönchengladbach mehrfach um eine Freigabe gebeten. Sverkos möchte sich dem MSV Duisburg anschließen. „Ich will unbedingt wechseln“, sagt Sverkos. Mönchengladbach würde ihm jedoch nur dann eine Freigabe erteilen, wenn Rafael in der Winterpause noch zu Gladbach wechselt.

Christian sitzt im Hotelrestaurant und will von alledem nichts wissen. Der Stürmer faltet die Hände und sagt: „Ich will hier spielen, das ist doch ganz einfach.“

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