Sport : Der andere Karriereplan

Warum ein Wechsel von Miroslav Klose vom 1. FC Kaiserslautern zu Hertha BSC aus Berliner Sicht Sinn machen könnte

Sven Goldmann

Berlin. Marko Rehmer bleibt bis zum Jahr 2005 bei Hertha BSC, das ist schon seit ein paar Wochen klar und wurde am Mittwochabend schriftlich fixiert. Andreas Schmidt und Michael Hartmann erhalten ebenfalls neue Verträge, dasselbe gilt wahrscheinlich für Ersatztorhüter Christian Fiedler. Es sind Personalien der bescheidenen Art, die der Fußball-Bundesligist in diesen Tagen zu vermelden hat. Die großen Geschäfte werden woanders gemacht.

Zum Beispiel in Kaiserslautern, wo Bayern München und Borussia Dortmund als Konkurrenten um die Dienste von Miroslav Klose vorsprechen. Die Experten aus der Kaffeesatz-Leser-Innung machen zurzeit leichte Vorteile für Borussia Dortmund aus. Nicht wegen der besseren sportlichen Perspektive, des netteren Trainers oder des angenehmeren Umfeldes, sondern weil die Dortmunder mit dem selben Ausrüster verbandelt sind, der gerade seine Option für eine Verlängerung des Vertrages mit dem fünffachen WM-Torschützen Klose gezogen hat. Und zwar bis zum Jahr 2007.

Hertha BSC hat auch einmal um Klose mitgeboten. Irgendwann im Spätsommer des vergangenen Jahres, als nach dem Gewinn des Ligapokals und der Verpflichtung des Brasilianers Luizao das Schlagwort von der „besten Hertha aller Zeiten“ die Runde machte. Das hat sich alles ein wenig relativiert – wie die Hoffnung auf Klose. Auf „maximal fünf Prozent“ schätzt Hoeneß die Erfolgsaussichten seines Angebots. „Wir werden auf gar keinen Fall den Fehler machen und auf Teufel komm raus mitbieten. Wenn es um Geld geht, können wir mit den anderen nicht mithalten.“

Dieter Hoeneß ist qua seiner schwäbischen Herkunft ein vorsichtiger Kaufmann, und als solcher will er größere Investitionen durch entsprechende Einnahmen abgesichert sehen. Die gab es bei Hertha in der Vergangenheit durch die Gewinn bringende Teilnahme an der Champions League, die Fernsehpräsenz im Uefa-Cup oder den einst überaus lukrativen Fernsehvertrag mit der Kirch-Gruppe. Ohne die Garantie auf eine Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb und angesichts der nach wie vor ungeklärten Zukunft auf dem Fernsehmarkt schrecken die Berliner vor Risiken zurück, wie sie manchen italienischen Klub und hier zu Lande den 1. FC Kaiserslautern an den Rand des Ruins gebracht haben.

Ein Hintertürchen lassen sie sich offen. Sollte es dem sensiblen Klose nicht um das große Geld gehen oder das Renommee, bei einem europäischen Spitzenklub zu spielen, dann ließe sich wohl etwas machen. Wie im Jahr 1999 im Fall Sebastian Deisler. Das größte Talent des deutschen Fußballs hatte Hoeneß vor vier Jahren am FC Bayern vorbei nach Berlin gelotst. Das schlagende Argument war seinerzeit ein abgestufter Karriereplan mit einer Aufbauetappe in Berlin. Deisler wurde mit 19 Jahren auf Anhieb Stammspieler, erst bei Hertha, dann in der Nationalmannschaft, ein weiteres Jahr später war der zunächst auf die rechte Seite des Fußballplatzes abkommandierte Deisler als zentraler Spielgestalter etabliert. Dass er Hertha im vergangenen Sommer Richtung München verließ, entsprach der bei seiner Verpflichtung im Geiste vereinbarten Karriereplanung, von der nach drei Jahren Hertha und Deisler profitiert hatten.

In der Folge versuchte Hertha vergeblich, dieses Kunststück zu wiederholen. Bei Michael Ballack saß Hoeneß ebenso auf dem Sofa wie bei Sebastian Kehl. Beide zählten damals noch nicht zum Stamm der Nationalmannschaft, hatten ihre Selbstfindungsphase aber schon abgeschlossen. Kehl hatte sich in der Bundesliga beim SC Freiburg etabliert und wechselte noch zur Rückrunde der vergangenen Saison aus Freiburg nach Dortmund. Ballack hatte es sogar verkraftet, dass Trainer Otto Rehhagel („Der Herr Ballack muss noch viel lernen“) ihn zwischenzeitlich zu den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern abgeschoben hatte. Seit dieser Saison steht der zurzeit begehrteste deutsche Fußballer standesgemäß beim Marktführer Bayern München unter Vertrag.

Erfolg hatte Hoeneß schließlich mit dem vorher weitgehend unbekannten Bielefelder Arne Friedrich. Der Verteidiger hinterließ mit seiner selbstbewussten Art Eindruck beim neuen Trainer Huub Stevens, nutzte das verletzungsbedingte Fehlen von Nationalspieler Marko Rehmer und stand nach gerade drei Bundesligaspielen zum ersten Mal in der Nationalmannschaft. Friedrich ist Herthas Fußball spielendes Argument für die Entwicklungsmöglichkeiten, die ein Engagement in Berlin bietet.

Zwei oder drei Spieler will Hertha zur kommenden Saison noch holen. Auf der Liste stehen Spieler wie Thomas Christiansen und Paul Freier vom VfL Bochum. Und, hoffnungsvoll mit dem Bleistift hinzugefügt, Miroslav Klose.

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